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Münchner Forum Nachhaltigkeit


Gemeinsam mit dem oekom Verein und der Schweisfurth-Stiftung führt sie Selbach-Umwelt-Stiftung seit 2005 die regelmäßige Vortragsreihe "Münchner Forum Nachhaltigkeit" durch.

 

Als zusätzliche Kooperationspartner konnten in den letzten Jahren gewonnen werden: Die Umwelt-Akademie e.V., Bürgerstiftung München, Green City e.V., Hochschule für angewandte Wissenschaften München, Ringvorlesung Umwelt der Studentischen Vertretung der TU München.

 

Eine Überblick über die Vorträge der Jahre 2005 bis 2014 finden Sie hier.

 

 

99. Abend: Dienstag, den 25. April 2017

 

Prof. Dr. Stephan Lessenich

 

Neben uns die Sintflut

Wie uns warum wir über die Verhältnisse anderer leben

 

Zum Thema:

Alles zu haben und noch mehr zu wollen, den eigenen Wohlstand zu wahren, indem man ihn anderen vorenthält – das ist das heimliche Lebensmotto der entwickelten Gesellschaften. Den Menschen im globalen Norden geht es gut, weil es den Menschen in anderen Weltregionen schlecht geht, so lautet die These von Stephan Lessenich.

 

Systematisch werden soziale Kosten und ökologische Lasten unserer Lebensweise ausgelagert, im kleinen wie im großen Maßstab. Wir leben daher nicht über unsere Verhältnisse; wir leben über die Verhältnisse anderer. Und wir alle verdrängen unseren Anteil an dieser Praxis.

 

Der renommierte Soziologe Stephan Lessenich analysiert in seinem Vortrag die Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse der globalisierten Wirtschaft, deren Verlierer jetzt an unsere Türen klopfen. Deshalb, so Lessenich, wird sich unser Leben ändern, ob wir wollen oder nicht.

 

Zum Referenten:

Prof. Dr. Stephan Lessenich lehrt am Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, u.a. Die Neuerfindung des Sozialen (2008) und jüngst Neben uns die Sintflut – Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis (2016).

 

Kooperationspartner: Ev. Stadtakademie München und Petra-Kelly-Stiftung

 

Veranstaltungsort und -zeit:

Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Straße 24, 80331 München (U-Bahn und Tram Sendlinger Tor)

19.00 Uhr bis 21.00 Uhr.

Anmeldung erforderliich (Eintritt: 5 Euro)

 

 

 

98. Abend: Montag, den 6. März 2017

 

Prof. Dr. Markus Vogt

 

Religion & Spiritualität – Ressourcen für die Große Transformation?

 

Zum Thema:

Die Umweltkrise ist auch eine spirituelle Krise hinsichtlich der Leitwerte und geistigen Orientierungen, die unser Leben prägen. So richtet sich der Blick auf die Religionen, die vergessene Schätze der Schöpfungsspiritualität und Ethik wiederentdecken.

 

Die Widerstände gegen solche „Rückerinnerungen an die Zukunft“ sind groß. Mit der Enzyklika Laudato si hat sich Papst Franziskus jedoch unüberhörbar in die globale Umweltdebatte eingemischt. Er greift franziskanische, befreiungstheologische, indigene und interreligiöse Aspekte auf.

 

Ausgehend von der Umweltenzyklika des Papstes fragt der Vortrag, worin genau die spezifische Kompetenz der Religionen im Umwelt- und Entwicklungsdiskurs liegt. Er skizziert „ökotheologisch“, wie sich im Kontext des Klimawandels auch die Gottesfrage selbst neu stellt und was das für eine „Politik der Lebensstile“ praktisch bedeuten könnte.

 

Ist in Zeiten des Klimawandels und der allgemeinen Umweltkrise die Zeit reif für eine Religionen übergreifende Allianz zur Rettung der Welt? Für einen achtsameren Umgang mit der Erde und ihren Bewohner/-innen, dem auch Atheistinnen und Agnostiker etwas abgewinnen können?

 

Zum Referenten:

Prof. Dr. Markus Vogt ist Theologe und Philosoph, Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Sozialethik der Ludwig-Maximilians-Universität München und derzeit Dekan der dortigen Katholischen Fakultät.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

orange bar bei Green City Energy, Zirkus-Krone-Str. 10, 80335 München (nähe Hackerbrücke): Lageplan

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr

Anmeldung (bis spätestens 5. März) erforderlich.

 

 

97. Abend: Donnerstag, den 9. Februar 2017

 

Dr. Michael Kopatz

 

Ökoroutine – Damit wir tun, was wir für richtig halten

 

Zum Thema:

Ob es um Klimawandel, Ressourcenverbrauch oder andere zentrale Zukunftsfragen geht, stets ist man mit demselben Sachverhalt konfrontiert: Wir alle wissen, was zu tun wäre – aber nur wenige handeln danach.

 

Doch wie entkommen wir diesem Dilemma? „Ganz einfach“, sagt Michael Kopatz, „wir müssen ‚Öko' zur Routine machen!“ In seinem Vortrag, basierend auf dem gleichnamigen Buch, zeigt der Sozial- und Umweltwissenschaftler des Wuppertal-Instituts, wie sich der Wandel hin zu einem nachhaltigen Lebensstil so gestalten lässt, dass er nicht als Bevormundung, sondern als Selbstverständlichkeit empfunden wird. Eine veränderte Ordnungspolitik ist ein Schlüssel dafür.

 

Für eine solche Selbststeuerung demokratischer Gemeinschaften gibt es in der jüngeren Vergangenheit unzählige Erfolgsgeschichten: ob es die Anschnallpflicht in den 1970ern war, die Einführung des Katalysators oder das Rauchverbot in öffentlichen Räumen – kaum jemand echauffiert sich heute noch ernsthaft über derartige „Einschränkungen“ oder „Verpflichtungen“.

 

„Ökoroutine“ präsentiert eine Vielzahl derartiger, konzeptionell leicht umsetzbarer, Standards und Limits. Viele davon sind heute bereits gelebter Verbraucher-, Umwelt- oder Tierschutz. Andere wiederum wirken radikal, beispielsweise die Forderung nach Obergrenzen für Flughäfen, Straßenbau und Wohnflächen.

 

„Ökoroutine“ zeigt, dass wir nachhaltig leben können, ohne uns ständig mit Klimawandel oder Massentierhaltung befassen zu müssen. Wenn wir entsprechende Rahmenbedingungen und „Gelegenheitsstrukturen“ schaffen, kann sich der Wandel zur Nachhaltigkeit verselbständigen. Ökoroutine macht Nachhaltigkeit zum Normalfall. Dann ist auf einmal nicht Öko, sondern der verantwortungslose Umgang mit Ressourcen exotisch.

 

 

Zum Referenten:

Dr. Michael Kopatz ist wissenschaftlicher Projektleiter im Wuppertal Institut und war dort maßgeblich an der Erstellung des Standardwerks „Zukunftsfähiges Deutschland“ beteiligt. Gegenwärtig beschäftigt er sich mit Konzepten zur Stärkung der Regional- und Gemeinwohlwirtschaft in Kommunen.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

orange bar bei Green City Energy, Zirkus-Krone-Str. 10, 80335 München (nähe Hackerbrücke): Lageplan

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr

Anmeldung (bis spätestens 7. Februar) erforderlich.

 

 

 

96. Abend: Dienstag, den 24. Januar 2017

 

Prof. Dr. Reinhard Loske

 

Vom Wert des Teilens

Sharing Economy – eine politische Gestaltungsaufgabe

 

Zum Thema:

Teilen ist das neue Besitzen – unter diesem Motto verändert die Sharing Economy momentan unseren Alltag. Ob Car- oder Bikesharing, Couchsurfing oder Kleidertauschbörse, Urban Gardening oder Foodsharing, Crowdfunding oder freie Software – in all diesen Segmenten der Sharing Economy erleben wir momentan weltweit ein enormes Wachstum.

 

Hinter dieser Entwicklung liegen verschiedenste Motive: gestiegenes Umwelt- und Kostenbewusstsein, Freude am gemeinsamen Wirken, aber auch der kapitalistische Versuch, den neuen „Kommunismus“ in Konsumismus zu verwandeln.

 

Die Ökonomie des Tauschens & Teilens kann ebenso die nachhaltige Entwicklung und soziale Kohäsion in unserer Gesellschaft befördern, wie sie zum permanenten Wettbewerb aller gegen alle und zur vollständigen Ökonomisierung unseres Lebens führen kann.

 

Zwingend ist aber keine dieser Entwicklungen. Es kommt darauf an, so die Überzeugung von Reinhard Loske, welchen politischen und rechtlichen Rahmen wir der Ökonomie des Teilens geben: regional, national, in der EU und weltweit.

 

Zum Referenten:

Prof. Dr. Reinhard Loske war lange Zeit Mitarbeiter am Wuppertal Institut und dort Projektleiter für die 1996 erschienene, wegweisende Studie Zukunftsfähiges Deutschland. Von 1998 bis 2007 war Loske Mitglied des Deutschen Bundestags, danach bis 2011 Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa der Freien Hansestadt Bremen. Seit 2013 hat er die Professur für Politik, Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik an der Universität Witten/Herdecke inne.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

HVB-Tower, Arabellastr. 12, 81925 München (U 4, Haltestelle: "Richard-Strauß-Straße"): Lageplan

18.30 Uhr bis ca. 21.00 Uhr

Anmeldung (bis spätestens 19. Januar) erforderlich.