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Themen und Referent/innen 2006


15. Abend: Mittwoch, der 13. Dezember 2006

 

Jakob von Uexküll & Prof. Dr. Hans-Peter Dürr

Projekte der Hoffnung

Ausblicke auf eine andere Globalisierung

 

Zum Thema:

Der Zustand der Welt scheint manchem hoffnungslos: Ausbeutung und Ungerechtigkeit, unkontrolliertes Macht- und Gewinnstreben, blinder Konsum und Wachstumswahn prägen unsere Zeit. Doch es gibt Menschen, die dem ein anderes Lebensmodell entgegensetzen. Die sich engagieren für Umwelt, Frieden und Menschenrechte. Die der Welt damit zeigen, dass die globalen Probleme lösbar sind.

 

Solche Menschen ehrt seit über 25 Jahren der Right Livelihood Award, der „Alternative Nobelpreis“, der im Dezember 2006 zum 26. Mal verliehen wird. Er zeichnet Personen und Initiativen aus, die auf verschiedene Weise Lösungen für die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme unserer Zeit erarbeiten. Ihre Ideen und Projekte machen deutlich, dass eine „andere Globalisierung“ möglich ist.

 

Zu den Referenten

Jakob von Uexküll ist Gründer des Alternativen Nobelpreises; Prof. Dr. Hans-Peter Dürr ist Physiker, Umwelt- und Friedensaktivist, der 1987 den Alternativen Nobelpreis erhielt.

 

 

14. Abend: Donnerstag, den 16. November 2006

 

Prof. Dr. Markus Vogt

Politische Ökologie

Die Suche nach der guten Gesellschaft

 

Zum Thema:

Umweltprobleme betreffen die Gesellschaft in ihrem Kern und sind insofern immer auch politisch. Das ist das Credo aller „Politischen Ökologie“. Die Fragen nach dem Zustand und der Qualität von Natur und Umwelt münden in Fragen nach der guten Gesellschaft, nach Lebensqualität und Gerechtigkeit. Der gesellschaftsverändernde Anspruch der Politischen Ökologie ist dabei keineswegs eindeutig. Es gab und gibt sehr unterschiedliche Modelle der Zuordnung von Ökologie und Politik.

 

Ein Rückblick auf die Vielfalt der damit verbundenen Visionen einer naturgemäßen Gesellschaft kann davor schützen, bestimmte Modelle zu verabsolutieren. Zugleich hilft er, das vergessene Potenzial einiger Ansätze als Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung unter veränderten Bedingungen in Erinnerung zu rufen. Anhand eines solchen Rückblicks soll der Abend dazu dienen, die mit der Ökologie verbundenen Fragen nach den Leitwerten einer guten und gerechten Gesellschaft zu diskutieren.

 

Zum Referenten:

 

Prof. Dr. Markus Vogt ist Philosoph und Theologe und war zunächst in der Politikberatung tätig (Sachverständigenrat für Umweltfragen). Er ist Lehrstuhlinhaber für christliche Sozialethik sowie Leiter der „Clearingstelle Kirche und Umwelt“ an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Benediktbeuern.

 

 

13. Abend: Donnerstag, den 26. Oktober 2006

 

Timo Engel

Das Solarauto als Energieversorger

Nachhaltige Mobilität und neue Wege der Energiegewinnung

 

Zum Thema:

Oft steckt in einem Problem gleichzeitig eine neue Chance. So ist es offenbar auch beim Auto: Die viel diskutierten aber politisch kaum angegangenen Feinstaub-, Lärm- und Klimaprobleme, die das Auto hervorruft – sie ließen sich lösen, wenn man von Verbrennungs- auf Elektrofahrzeuge umsteigen würde. Obwohl sie „sauber und leise“ sind, haben Elektrofahrzeuge jedoch keinen guten Ruf. Den meisten sind sie in der Anschaffung zu teuer, zu langsam und zu wenig „ausdauernd“, um weite Strecken zu überwinden. Und auch viele Umweltschützer lehnen das Elektroauto als neuen Stromverbraucher ab. Denn der Strom aus der Steckdose kommt in der Regel aus Kohle- oder Atomkraftwerken.

 

Aber warum sollte ein Elektrofahrzeug nur Strom aus dem Netz entnehmen aber nicht Strom in das Netz einspeisen dürfen? Könnte nicht aus dem derzeit größten Energieverbraucher (dem PKW) ein zentraler Baustein im Netzwerk der solaren Stromversorgung werden? Versehen mit leistungsfähigen Batterien wären Elektrofahrzeuge technisch durchaus in der Lage, nicht nur genügend Strom für den eigenen Betrieb zu produzieren, sondern auch noch einen Überschuss, der ins allgemeine Stromnetz eingespeist würde. Denn in der Regel sind Autos 23 Stunden am Tag geparkt. In dieser Zeit können sie sich nützlich machen und gespeicherten Solarstrom bedarfsgerecht ins Netz einspeisen.

 

Zum Referenten:

Tomi Engel ist Vorsitzender des Fachausschusses „Solare Mobilität“ innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS).

 

 

12. Abend: Mittwoch, den 27. September 2006

 

Prof. Dr. Jürke Grau

Die Vielfalt des Lebens

Ihre aktuelle Bedrohung und Wege ihres Schutzes

 

Zum Thema:

Dass wir von Leben umgeben sind, ist uns so vertraut, dass wir häufig davon kaum Notiz nehmen; jedenfalls halten viele das Leben mit seiner Vielfalt für selbstverständlich. Dies auch deshalb, weil der Verlust dieser Vielfalt schleichend und oft kaum bemerkbar stattfindet. – Lebewesen existieren in engem Zusammenhang miteinander und benötigen Lebensräume. Zum ersten Mal in der Geschichte des Lebens werden heute aufgrund der menschlichen Zivilisation diese Lebens- und Überlebensräume für Tiere und Pflanzen immer weniger und immer enger. Die Vielfalt des Lebens auf unserem Heimatplaneten ist bedroht.

 

Dies zeigt sich zum Beispiel an den Kulturpflanzen: 150 Nutzpflanzenarten werden heutzutage von den Menschen weltweit kultiviert. In der Vergangenheit waren es noch 7.000 verschiedene Arten. Was für unsere Kulturpflanzen gut dokumentiert ist, findet in großem Umfang – und in seinen Konsequenzen kaum erfasst – mit unserer gesamten belebten Umwelt statt.

 

Wo liegen die Gefahren der fortschreitenden Verarmung lebendiger Vielfalt? Welche Wege wären zu beschreiten, um diesen Gefahren zu begegnen und die natürliche Vielfalt langfristig zu sichern? In seinem Vortrag wird Prof. Dr. Jürke Grau die spezifischen Dimensionen des heutigen Artensterbens darstellen und aus der Sicht der Biologie auf die genannten Fragen eingehen.

 

Zum Referenten:

Prof. Grau ist emeritierter Professor für Systematische Botanik an der LMU München und war langjähriger Direktor der Botanischen Staatssammlung sowie des Botanischen Garten in München-Nymphenburg.

 

 

11. Abend: Dienstag, den 25. Juli 2006

 

Dr. Günther Bachmann

Generationenbilanz

Erbschaften und Erblasten für das Deutschland von morgen

 

Zum Thema:

Deutschland steht am Beginn einer großen Veränderung. In vielen Regionen schrumpft die Bevölkerung und die Zahl der Erwerbspersonen nimmt ab. Der demografische Wandel hin zu einer alternden Gesellschaft führt absehbar zu ökonomischen und sozialen Verwerfungen. Unter rein ökologischem Blickwinkel könnte der Wandel jedoch als durchaus wünschenswert erscheinen. Was spricht dagegen, wenn die Menschen der reichen Industrienationen, die durch ihren hohen Ressourcenverbrauch am meisten zu den globalen Nachhaltigkeitsproblemen beitragen, weniger werden?

 

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung hat jüngst eine Studie angeregt, die der Frage nachgeht, wie demografische und nachhaltige Entwicklung zusammenhängen. Welche positiven Erbschaften, aber auch welche negativen Erblasten hinterlässt das Deutschland von heute den Generationen von morgen? Erarbeitet wurde eine faktenreiche Generationenbilanz für die zentralen Felder nachhaltiger Entwicklung: Energie und Mobilität, Bildung und Integration, Siedlung und Natur, Arbeit und Einkommen. Eine solche Bilanz unterscheidet Zukunftsfähiges von Zukunftsbürden und dient als Orientierung auf dem Weg von einer nachlässigen Gesellschaft zu einer nachdenklichen. Sie macht klar, wo wir wirklich stehen, was getan werden muss und von wem.

 

Zum Referenten:

Dr. Günther Bachmann hat gemeinsam mit dem ehemaligen Bundesminister und Leiter des Rates für Nachhaltige Entwicklung Dr. Volker Hauff die jüngst im oekom verlag erschienene Studie herausgegeben und wird deren zentrale Ergebnisse vorstellen. Herr Bachmann ist Landschaftsplaner, war lange Zeit im Umweltbundesamt tätig und ist seit 1991 Geschäftsführer des Rates für Nachhaltige Entwicklung in Berlin.

 

 

10. Abend: Donnerstag, den 22. Juni 2006

 

Dr. Hans Glauber

Langsamer, weniger, besser, schöner

Wege zu neuem Wohlstand und der Beginn des Solaren Zeitalters

 

Zum Thema:

Fernab der politischen Zentren trafen sich von 1985 bis 1999 im idyllischen Toblach in Südtirol jeweils im Herbst Denker und Praktiker unterschiedlichster Herkunft („vom Bauern bis zum Professor“), um gemeinsam über Umweltschutz und Nachhaltigkeit nachzudenken. Im Zentrum standen dabei Fragen eines neuen Verständnisses von „ökologischem Wohlstand“. Die zukunftsweisenden Impulse wurden – zusammengefasst als „Toblacher Thesen“ – im deutsch- und italienischsprachigen Kulturraum bald zu einem markanten Bezugspunkt der Nachhaltigkeitsdebatte. Seit 2005 werden die Toblacher Gespräche in neuer Form fortgeführt.

 

Dr. Hans Glauber, der Initiator der Toblacher Gespräche, wird in seinem Vortrag unter den Leitbegriffen des „Langsamer, Weniger, Besser, Schöner“ die in Toblach entwickelten Koordinaten „neuen Wohlstands“ erläutern. Seine grundlegende These lautet: Eine ökologische Wende kann und muss schön, elegant und für die Menschen attraktiv sein.

 

Zu den größten Herausforderungen gehört dabei die Klimafrage, die bereits frühzeitig in Toblach aufgegriffen wurde und schrittweise zur Vision eines neuen „Solaren Zeitalters“ führte. Die Potentiale, den Energiebedarf mit erneuerbaren Energien bzw. mit der Sonne zu decken, sind reichlich vorhanden. „Solares Zeitalter“ steht als Chiffre für einen neuen zivilisatorischen Entwurf. Es eröffnet faszinierende Perspektiven im Bereich der Energieversorgung, der Landwirtschaft, der Produktion, der Mobilität und wird zudem mit einer neuen Ästhetik verbunden sein.

 

Zum Referenten:

Dr. Hans Glauber, Ökonom, Soziologe und Künstler, ist bereits seit Mitte der siebziger Jahre im Umweltbereich engagiert. Er initiierte im Jahre 1985 die „Toblacher Gespräche“ und ist Präsident des von ihm 1989 mitbegründeten Ökoinstituts Südtirol/Alto Adige, dem ersten Institut dieser Art in Italien.

 

 

9. Abend: Montag, den 15. Mai 2006

 

Heike Leitschuh-Fecht

"Nachhaltig die Zukunft managen – Pioniere in globalen Unternehmen"

 

Zum Thema:

Nachhaltigkeit wird zunehmend ein Thema für die Wirtschaft. Gerade Großunternehmen, die auf globalen Märkten agieren, haben damit begonnen, Nachhaltigkeit in ihre Unternehmensstrategie aufzunehmen. Dabei spielen meist einzelne engagierte Managerinnen und Manager eine besondere Rolle. Sie tragen die Idee der Nachhaltigkeit in das Unternehmen und bemühen sich, dass das zunächst abstrakte Unternehmensleitbild Nachhaltigkeit konkret umgesetzt und auch für die Mitarbeiter erfahrbar wird. Die Autorin und Unternehmensberaterin Heike Leitschuh-Fecht hat in einem jüngst erschienenen Buch die Arbeit dieser „Nachhaltigkeitsmanager“ bei sieben Großunternehmen (ABB, BASF, Daimler-Chrysler, Swiss Re, Telekom, Tetra Pak und Unilever) beschrieben und analysiert.

 

Welche fachlichen und persönlichen Fähigkeiten zeichnen diese Manager aus? Wer sind ihre Gegenspieler im Unternehmen? Wie gelingt es ihnen, auch die Mitarbeiter ihres Unternehmens für ökologische und soziale Ziele zu motivieren? Wie halten sie ihre „Sandwichposition“ zwischen externen Ansprüchen und internen Spielräumen aus? Wie gehen sie mit Zielkonflikten um? Wie schaffen sie es, Nachhaltigkeit zu einem Wirtschafsfaktor für das Unternehmen zu machen? Und: Wie weit sind die jeweiligen Unternehmen bei der Integration von Nachhaltigkeitszielen gekommen?

 

Zur Referentin:

Heike Leitschuh-Fecht arbeitet in Frankfurt/Main als Autorin, Beraterin und Moderatorin mit dem Schwerpunkt der zukunftsfähigen Entwicklung von Unternehmen und öffentlichen Institutionen. Sie ist u.a. Mitherausgeberin des „Jahrbuchs Ökologie“.

 

 

8. Abend: Dienstag, den 14. März 2006

 

Florianne Koechlin

"Zellgeflüster – Streifzüge durch wissenschaftliches Neuland"

 

Zum Thema:

Zellen flüstern ununterbrochen mit ihren Nachbarinnen. Gene sind vieldeutig und dynamisch. Pflanzen kommunizieren mit Duftstoffen miteinander, sie lernen und erinnern sich. Sind sie sogar intelligent? Haben sie eine „Würde“ und wenn ja, was bedeutet dies für uns Menschen? – Die faszinierenden Streifzüge durch wissenschaftliches Neuland, die Florianne Koechlin in ihrem jüngsten Buch „Zellgeflüster“ unternommen hat, zeigen ein Bild des Lebens, das sich weit von der mechanistischen Utopie des letzten Jahrhunderts entfernt hat: Leben erscheint als ein Prozess von Kommunikation und Austausch in dynamischen Netzwerken.

 

Seit 20 Jahren wehrt sich Florianne Koechlin gegen allzu simple Dogmen der Gentechnik, gegen deren Mythen und falsche Versprechungen. Aber sie bleibt bei der Kritik nicht stehen, sie fragt nach gangbaren Alternativen. Sie erzählt von innovativen und erfolgreichen Lösungsstrategien, wie sie z.B. in Kenia entwickelt wurden, um Tiere und Pflanzen vor Schädlingen zu schützen – ohne dabei den riskanten Weg der Gentechnologie zu gehen. Ausgehend von solchen Beispielen zielt der Vortrag auf ein tieferes Verständnis von Leben und unseren Umgang mit dem Lebendigen ab. Florianne Koechlin spannt den Bogen vom Schamanenwissen der Ashaninca-Indianer über die abstrakte Welt der Quantenphysik bis hin zu neuesten Erkenntnissen der Molekularbiologie.

 

Zur Referentin:

Florianne Koechlin studierte Biologie und Chemie und wurde international bekannt als Kritikerin der Agro-Gentechnik und der Patentierung von Leben. Als Geschäftsführerin des Blauen-Instituts bei Basel beschäftigt sie sich seit Jahren mit praktikablen Alternativen und Erweiterungen zum bestehenden Verständnis der sog. Lebens-Wissenschaften. Sie ist Stiftungsrätin der Zukunftsstiftung Landwirtschaft sowie Mitglied der Eidgenössischen Ethikkommission EKAH.

 

 

7. Abend: Montag, den 6. Februar 2006, Beginn: 19.00 Uhr

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Peter Dürr

"Lernen neu zu denken – Das Potsdamer Manifest 2005"

 

Zum Thema:

Die vielfältigen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Krisen, mit denen wir heute konfrontiert sind, sind Ausdruck einer geistigen Krise im Verhältnis des Menschen zur lebendigen Welt und hängen eng mit dem vorherrschenden materialistisch-mechanistischen Weltbild zusammen. – So lautet die zentrale These des „Potsdamer Manifests“, das anlässlich des Einstein-Jahres 2005 von dem Physiker Hans-Peter Dürr, dem Geographen Daniel Dahm und dem Philosophen Rudolf zur Lippe verfasst wurde.

 

Mit dem Manifest und einer dazugehörigen Denkschrift, die beide in den letzten Wochen intensive Diskussionen in den Medien und unter Fachleuten angeregt haben, wird eine zentrale, damals nicht weiter ausgeführte Forderung des „Russell-Einstein Manifest“ aus dem Jahr 1955 aufgegriffen: „Wir müssen lernen, auf neue Weise zu denken.“ Das Potsdamer Manifest sieht vor allem in der modernen Quantenphysik Ansätze für ein solches Neues Denken, das die Enge des mechanistischen Weltbildes überwindet und im Umgang mit den Lebensprozessen in der Natur Orientierung bieten kann.

 

Zum Referenten:

Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, der uns an diesem Abend die gedanklichen Grundzüge des Potsdamer Manifests vorstellen wird, ist Quantenphysiker und war langjähriger Mitarbeiter von Werner Heisenberg. Der 1997 emeritierte Direktor am Max-Planck-Institut für Physik (Werner-Heisenberg-Institut) und Professor der Universität München gilt international als einer der renommiertesten Vordenker und Akteure der Friedens- und Ökologiebewegung. Er erhielt 1987 den Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award).