/ Selbach-Umwelt-Stiftung  / Projekte  / Forum Nachhaltigkeit  / Vorträge 2008   

Themen und Referent/innen 2008


31. Abend: Dienstag, den 25. November 2008

 

Thomas Radetzki

 

Emsig und am Ende?

Die Honigbiene, ihre Leistungen und die Krise der Reproduktion

 

Zum Thema:

Ein Drittel der menschlichen Nahrung ist direkt oder indirekt von der Bestäubung durch Bienen abhängig. Deshalb gilt die Biene nach Rind und Schwein als drittwichtigstes landwirtschaftliches Nutztier. Keine nachhaltige Ernährungssicherheit ohne die Leistungen der Bienen. Obwohl Bienen für Natur und Mensch so wichtig sind, gibt es kaum angemessene Reaktionen auf das wiederholte Bienensterben in Deutschland, Europa und den USA. In den USA herrscht mittlerweile in vielen Regionen „Bestäubungsnotstand“, nachdem dort allein im vergangenen Jahr die Hälfte aller Bienenvölker auf nach wie vor ungeklärte Weise zugrunde ging. Auch bei uns haben 30 Prozent der Völker den letzten Winter nicht überlebt. Vor dem Hintergrund dieser dramatischen Entwicklung wird der Imkermeister Thomas Radetzki über die vielfältigen, unersetzbaren Leistungen der Bienen referieren. Er zeigt Wege für eine tiergerechte Bienenhaltung auf, mit der die Fruchtbarkeit unserer Landschaften und damit die Grundlage unserer Ernährung nachhaltig gesichert werden können.

 

Was derzeit mit den Bienen geschieht, ist Ausdruck einer auch andernorts zu beobachtenden Krise der Reproduktion. Zu diesem Thema erschien jüngst unter dem Titel „Fruchtbarkeit unter Kontrolle?“ ein Buch als Ergebnis eines interdisziplinären Projekts der Schweisfurth- und der Selbach-Umwelt-Stiftung, an dem auch Thomas Radetzki mitgewirkt hat. Die dort reflektierten Entwicklungen in Landwirtschaft, Medizin, Ökonomie und Kultur machen deutlich, dass Fruchtbarkeit als Fähigkeit zur Reproduktion und Regeneration Überlebensprinzip unserer Gesellschaft und eine bislang zu wenig beachtete Grundlage jeder nachhaltigen Entwicklung ist.

 

Zum Referenten:

Thomas Radetzki gilt als einer der Pioniere der ökologischen Bienenhaltung. Er ist Gründer und Vorstand des Vereins Mellifera, der eine eigene Lehr- und Versuchsimkerei unterhält.

 

 

30. Abend: Donnerstag, den 30. Oktober 2008

 

Dr. Angelika Zahrnt & Prof. Dr. Wolfgang Sachs

 

Zukunftsfähiges Deutschland

in einer globalisierten Welt

 

Zum Thema:

So lautet der Titel einer neuen Studie, die in diesen Tagen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Brot für die Welt und dem Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) herausgegeben wird. Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie wurde beauftragt, Grundlagen für eine neue gesellschaftliche Debatte über die Zukunft und Zukunftsfähigkeit Deutschland zu erarbeiten.

 

Im Gegensatz zu 1996, als die Vorgängerstudie „Zukunftsfähiges Deutschland“ veröffentlicht wurde, hat sich der Handlungsdruck unter den Folgen der wirtschaft-lichen Globalisierung und des Klimawandels verschärft. So untergraben weltweit die Folgen der Ernährungskrise und der bereits einsetzenden globalen Erderwärmung Lebenschancen vieler Menschen. Statt einen grundlegenden Kurswechsel einzuleiten, herrscht in den Industrieländern immer noch „business as usual“. – Die neue Studie sucht nach Wegen aus dieser ökologischen wie sozialen Sack-gasse – wissenschaftlich fundiert, politisch pointiert und handlungsorientiert.

 

Zu den Referenten:

Dr. Angelika Zahrnt, Ehrenvorsitzende des BUND und Mitglied im Rat für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung, und Prof. Dr. Wolfgang Sachs, Projektleiter am Wuppertal Institut und Mitglied des Club of Rome, werden die zentralen Ergebnisse der Studie zur Diskussion stellen.

 

 

29. Abend: Montag, den 29. September 2008

 

Dr. Onno Groß

 

Planet Meer

Bedrohte Vielfalt unter Wasser

 

Zum Thema:

Vom Weltall aus gesehen ist die Erde ein Planet des Wassers: zwei Drittel ihrer Oberfläche bedecken die Meere. Sie gehören zu den am intensivsten genutzten, aber gleichzeitig am wenigsten geschützten Lebensräumen der Erde. Verschmutzung, Überfischung und Klimawandel bedrohen die Fauna und Flora unter Wasser zunehmend. Jedes Jahr sterben 100 Millionen Haie, verenden 100.000 Wale und Delfine als Beifang in Fischernetzen; Zehntausende Hektar Mangrovenwälder und Korallenriffe werden durch menschliche Eingriffe Jahr für Jahr zerstört.

 

Während Meeresforscher die dramatischen Veränderungen in den Ökosystemen der Ozeane seit langem voraussehen, reagiert die Politik mit den notwendigen Gegenmaßnahmen viel zu langsam und allzusehr geleitet von rein wirtschaftlichen Interessen. Dringend bedarf es daher nationaler und internationaler Gesetze, um weitere schädigende Umweltauswirkungen für die Meere in Zukunft auszuschließen. Welche Instrumente zum Meeresschutz sich derzeit in der Diskussion befin-den und wie sich jeder/jede einzelne für den Planet Meer einsetzen kann wird der Vortagsabend anhand aktueller Probleme beleuchten.

 

Zum Referenten:

Dr. Onno Groß ist Meeresbiologe, Umweltjournalist, Berater in der EU-Fischereipolitik und Gründer sowie 1. Vorsitzender der gemeinnützigen Initiative zum Schutz der Hoch- und Tiefsee DEEPWAVE e.V. Das Ziel dieser Meeresschutzorganisation ist es, zur Entwicklung und Förderung umweltverträglicher Strukturen für das Ökosystem Meer beizutragen sowie Menschen für die Erhaltung der Ozeane zu begeistern.

 

 

28. Abend: Montag, den 7. Juli 2008

 

Tobias Reichert

 

Volle Tanks – Leere Teller?

Zur aktuellen Diskussion um Agrarsprit und Energie vom Acker

 

Zum Thema:

Noch vor wenigen Jahren wurden Biodiesel und Ethanol als ökologische Alternativen zum Erdöl angesehen. Sprit vom Acker sollte den Verkehr klimafreundlicher machen, die Weltagrarmärkte von Überschüssen entlasten und neue Einkommensmöglichkeiten für Landwirte schaffen. Europäische Union und USA haben sich ambitionierte Ziele gesetzt, um die Verwendung von Agrartreibstoffen zu steigern. – Inzwischen sind die Risiken und Nachteile des Anbaus von Agrartreibstoffen unübersehbar. Die Klimabilanz ist – je nach Anbausituation – häufig sogar negativ, der großflächige Anbau führt zu mehr Monokulturen, und der verstärkte Import von Agrarkraftstoffen aus Entwicklungsländern hat vielfach die Vertreibung von Kleinbauern und das Abholzen von Regenwäldern zur Folge. Der Anbauboom für Agrarsprit steht zudem unter dem Verdacht, mitverantwortlich für den rasanten Anstieg der Weltmarktpreise für Lebensmittel zu sein und damit den Hunger auf der Welt zu verschärfen.

 

Ist nun eine völlige Abkehr von der Agrarenergie notwendig, oder kann sie durch angepasste Nutzungsformen und Nachhaltigkeitsstandards zu einer klimaneutralen Energieversorgung beitragen? Welche politischen Weichenstellungen sind nötig, um Konflikte zwischen Welternährung, Energieversorgung und Naturschutz zu verringern?

 

Zum Referenten:

Diesen hochaktuellen Fragen wird Tobias Reichert in seinem Vortrag nachgehen. Der Diplom-Volkswirt arbeitet seit 1997 für unterschiedliche Nichtregierungsorganisationen zu Welthandel und Agrarpolitik und ist seit 2007 Referent für Welthandel und Ernährung bei der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch e.V..

 

 

27. Abend: Donnerstag, den 29. Mai 2008

 

Prof. Dr. Sabine Hofmeister

 

Vorsorgendes Wirtschaften

Ansätze zu einer Ökonomie der Nachhaltigkeit

 

Zum Thema:

Die Idee der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen hat ihren Ursprung in der Forstwirtschaft und steht hier für das Gebot, die Bewirtschaftung des Waldes in Abhängigkeit von den Reproduktionsbedingungen und -zeiten des Waldes zu gestalten. Das heißt: nicht mehr dem Wald zu entnehmen als dieser an neuen Bäumen zur Verfügung stellt. Das Prinzip nachhaltigen Wirtschaftens basiert auf der Erkenntnis, dass – nicht nur in der Forstwirtschaft – Produktion immer auch schon Reproduktion, Herstellung immer auch zugleich Wiederherstellung ist bzw. sein sollte. Die industrielle Ökonomie hat es bislang nicht gelernt, diese beiden Seiten hinreichend zu integrieren. So ist Abfall das weltweit meist produzierte Produkt der Industrie – womöglich sogar ihr einziges.

 

Das Konzept des „Vorsorgenden Wirtschaftens“ zielt demgegenüber auf das Vermitteln von gestaltenden mit erhaltenden und erneuernden Prozessen und mithin auf die Zusammenführung aller produktiven Kräfte von Natur und Gesellschaft. Die Beziehungen zwischen bisher Getrenntem – zwischen Natur und Kultur, Arbeiten und Leben, Quellen- und Senkenfunktionen ökologischer Systeme – geraten zu einer Gestaltungsaufgabe für die Neuausrichtung der Gesellschaft und ihrer Ökonomie. In dem Vortrag wird das Konzept des Vorsorgenden Wirtschaftens in seinen Grundzügen vorgestellt und auf konkrete Anwendungsfragen etwa im Bereich der Stoffwirtschaft oder bei der Gestaltung und Bewertung von Arbeit bezogen.

 

Zur Referentin

Univ.-Prof. Dr. Sabine Hofmeister ist seit 1999 Leiterin des Forschungs- und Lehrgebiets Umweltplanung im Department Nachhaltigkeitswissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Soziale Ökologie, Nachhaltige Raumentwicklung sowie Geschlechterverhältnisse & Nachhaltigkeit. Seit 1994 ist sie Mitglied des Netzwerks Vorsorgendes Wirtschaften e.V. (i.Gr.).

 

 

26. Abend: Dienstag, den 22. April 2008

 

Prof. Dr. Beate Jessel

 

Vielfalt im Wandel – Naturschutz und Biodiversität im Kontext des Klimawandels

 

Zum Thema:

Die Mannigfaltigkeit des Lebens in all seinen Erscheinungsformen ist etwas, das uns intuitiv anspricht und fasziniert. Dementsprechend hat der Begriff „Biodiversität“ in den letzten 20 Jahren eine rasche und beachtliche Karriere hinter sich. Über die Rio-Konferenz 1992 und die hier erfolgte Verabschiedung der Biodiversitätskonvention wurde der Begriff in den breiteren Kontext von Nachhaltigkeit und gerechtem Vorteilsausgleich bei der Nutzung natürlicher Ressourcen gestellt.

 

Unsere Landschaften mit ihrem Inventar an Arten und Lebensräumen wandeln sich kontinuierlich. Auch Veränderungsprozesse aufgrund der Folgen des Klimawandels sind bereits im Gange, werden künftig aber wohl in nie gekannter Geschwindigkeit ablaufen. Vor dem Hintergrund der aktuell diskutierten Anpassungsstrategien stellt sich die Frage, inwieweit bislang gängig praktizierte Sichtweisen, Strategien und Konzepte des Naturschutzes zu überdenken sind: Müssen wir uns vielleicht von bisher gängigen Auffassungen von „Naturnähe“, von bevorzugt zu schützenden Arten und Lebensräumen verabschieden? Sind künftig vielleicht ganz andere Bezugs- und Betrachtungsräume notwendig? Und ist letztlich das Konzept der Biodiversität ausreichend, um diesen Herausforderungen zu begegnen?

 

Zur Referentin

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) bereitet als oberste deutsche Naturschutzbehörde die 9. UN-Naturschutzkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt fachlich vor, die vom 19. bis zum 30. Mai 2008 unter deutschem Vorsitz in Bonn stattfinden wird. Frau Prof. Dr. Beate Jessel ist Präsidentin des BfN. Sie hat Landespflege in München-Weihenstephan studiert, war mehrere Jahre an der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen/Salzach tätig und hatte Professuren für Landschaftsplanung und Landschaftsentwicklung an der Universität Potsdam und an der TU München inne.

 

 

25. Abend: Donnerstag, den 13. März 2008

 

Dr. Hermann E. Ott

 

Wege aus der Klimafalle

Was eine zukünftige Klimapolitik leisten muss

 

Zum Thema:

Kein Zweifel: Der Klimawandel ist bereits in vollem Gange. Wir werden ihn nicht mehr gänzlich aufhalten können – doch wir sollten jetzt alles daran setzen, ihn zu bremsen und seine Folgen zu mildern. Die Menschheit befindet sich in einer noch nie da gewesenen Situation: Binnen weniger Jahre (die Wissen-schaft spricht von einem Zeitfenster von nicht mehr als 15 Jahren) muss sich unsere Art und Weise, zu leben und zu wirtschaften, radikal ändern. Andernfalls nimmt die Erderwärmung ein Ausmaß an, dessen Folgen für einen Großteil der Weltbevölkerung fatal sein wird. Doch der Wandel eingefahrenen Denkens und traditioneller Strukturen in Wirtschaft und Politik, aber auch bei den Bürgern, ist schwer. Unsere Gesellschaft steckt in einer „Klimafalle“.

 

Welche politischen Wege führen aus dieser prekären Situation? Welche konkreten klimapolitischen Ziele gilt es zu verfolgen? Was bedeutet und was verlangt „Klimagerechtigkeit“ als globales politisches Leitbild von uns? Wie sähe ein „fairer Deal“ zwischen Nord und Süd aus hinsichtlich der Verteilung der Lasten, aber auch der Chancen aus Klimapolitik und Klimaschutz? Welche Technologien sind zukunftsfähig und wie lässt sich deren Entwicklung und Verbreitung fördern? Welche neuen gesellschaftlichen Allianzen gilt es zu schmieden, um anspruchsvollen Klimaschutz bei uns sowie weltweit einzuführen? Diese Fragen werden im Zentrum des Vortrags stehen

 

Zum Referenten

Der Jurist und Politikwissenschaftler Dr. Hermann E. Ott leitet das Berliner Büro des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Zuvor war er Leiter der Abteilung Klimapolitik des Instituts und Umweltberater im Planungsstab des Auswärtigen Amts.

 

 

24. Abend: Montag, den 18. Februar 2008

 

Prof. Dr. Martin Jänicke

 

Megatrend Umweltinnovation

Zur ökologischen Modernisierung von Wirtschaft und Staat

 

Zum Thema:

In vielen Staaten der EU, vor allem in Deutschland, boomen derzeit die innovativen Umwelttechnologien. Nach vorliegenden Prognosen wird die Umweltindustrie in Deutschland im Jahr 2020 mehr Umsatz erzielen als der Kraftzeug- und Maschinenbau. Auch weltweit ist der Markt für Umweltschutz- und Energietechniken einer der am stärksten wachsenden Märkte. Dieser Megatrend hin zu einer „ökologischen Modernisierung“ zeigt, dass eine anspruchsvolle Umwelt- und Wirtschaftspolitik die ökonomische Entwicklung eines Landes fördern und nicht verhin-dern.

 

Wie solche Umweltinnovationen entstehen, wie sie angeregt und gefördert werden können und welchen Ansprüchen sie im Prozess der „ökologischen Modernisierung“ genügen müssen wird der renommierte Umweltpolitikforscher und Politikberater Martin Jänicke in seinem Vortrag erörtern. Er fordert einen radikalen technischen Wandel, um einen Innovationsprozess in Gang zu setzen, der Umweltbelastungen von wirtschaftlichem Wachstum abkoppelt.

 

Zum Referenten

Martin Jänicke war bis 2007 Professor für Vergleichende Politikwissenschaft und Leiter der Forschungsstelle für Umweltpolitik an der FU Berlin. Seit 1999 ist er Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) und seit 2003 im Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Professor Jänicke ist Autor zahlreicher Bücher und Standardwerke zur Umweltpolitik.