/ Selbach-Umwelt-Stiftung  / Projekte  / Forum Nachhaltigkeit  / Vorträge 2014   

Themen und Referent/innen 2014


78. Abend: Freitag, den 12. Dezember 2014

 

Prof Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

 

Mehr Wohlstand durch weniger Naturverbrauch

Europa als Vorreiter der ökologischen Moderne

 

Zum Thema:

Das Know-how für eine neue, umweltschonende Form des Wirtschaftens ist vorhanden. Zahlreiche Beispiele zeigen: Dank technischer und sozialer Innovationen lassen sich Naturgüter um ein Vielfaches effizienter nutzen als bisher. Wir können Solarhäuser bauen, deren Energiekosten fast bei Null liegen, oder gesunde Lebensmittel ökologisch so produzieren, dass die Fruchtbarkeit der Böden gesteigert und nicht gemindert wird.

 

Diese Steigerung der Ressourcenproduktivität ist für den Biologen und Umweltwissen-schaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker die "Melodie des neuen technischen Fortschritts, der einen neuen großen Wachstumszyklus trägt". Im Unterschied zu früheren Wellen technischer Innovationen geht es diesmal darum, dass "der Naturverbrauch vermindert, aber der Wohlstand vermehrt wird".

 

Das ist allerdings nur mit Unterstützung und Rahmensetzung der Politik möglich. In globaler Perspektive kommt dabei Europa - und allen voran Deutschland - eine zentrale Rolle als Vorreiter einer ökologischen Moderne zu.

 

Zum Referenten:

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker gilt international als einer der wichtigsten Vordenker eines ökologischen Umbaus moderner Industriegesellschaften. Er war Gründungspräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Mitglied des Deutschen Bundestages und ist seit 2012 Ko-Vorsitzender des Club of Rome. Seit 2007 arbeitet er zudem in leitender Funktion im International Panel on Sustainable Resource Management der Vereinten Nationen.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

HVB-Forum, Prannerstr./Ecke Kardinal-Faulhaber-Str., 80333 München

18.30 Uhr bis ca. 21.00 Uhr

Anmeldung (bis spätestens 8. Dezember) erforderlich.

 

 

 

77. Abend: Dienstag, den 7. Oktober 2014

 

Prof Dr. Elmar Altvater

 

Kann man sich Kapitalismus abgewöhnen?

 

Zum Thema:

Unser Wirtschaftssystem ist in hohem Maße abhängig von der Nutzung fossiler Brennstoffe. Die Krisen, die dadurch entstehen, sind bedrohlicher als alle Finanzkrisen. Denn Krisen im Geldsystem sind grundsätzlich behebbar; es werden zwar ungeheure Summen vernichtet, aber diese lassen sich ersetzen. Die Zerstörungen der Natur hingegen, die mit unserer Form des Wirtschaftens einhergehen, sind unwiederbringlich. Zugleich verliert die Wirtschaft mit jedem Wachstumsschub immer mehr ihre Ressourcenbasis. Der bekannte Politikwissenschaftler und -berater Prof. Dr. Elmar Altvater ist daher überzeugt: „Der fossile Kapitalismus hat keine Zukunft."

 

Wie aber könnte eine postfossile Wirtschaft aussehen, wie ein Leben ohne Übernutzung der Natur und ihrer Ressourcen? Diese Fragen werden im Zentrum der Auftaktveranstaltung des 8. Münchner Klimaherbstes stehen, der unter der Leitfrage „Es reicht. Wie viel Haben braucht das Sein?" in zahlreichen Veranstaltungen die Notwendigkeit und die Möglichkeiten eines genügsamen („suffizienten") Lebensstils analysieren und ausloten wird.

 

Zum Referenten:

Elmar Altvater ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der FU Berlin und u.a. Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac. Nach seinem Vortag wird Iska Schreglmann (BR) ein Gespräch moderieren. Gäste sind die Journalistin und Autorin Greta Taubert, die ein Jahr lang versucht hat, aus der westlichen Konsumkultur konsequent auszusteigen (beschrieben in ihrem Buch „Apokalypse Jetzt!"), und der politische Ökonom Johannes Schneeweiss vom Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V., das Anfang September in Leipzig mit großem Erfolg die „4. Degrowth-Konferenz für ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit" mitveranstaltet hat. Musikalisch begleitet wird der Abend von Laye Mansa (art for green e.V.).

 

Veranstaltungsort und -zeit:

Alter Rathaussaal, Marienplatz 15

Beginn: 18.00 Uhr

Achtung: Anmeldung erforderlich und ausschließlich über das Projektbüro des Münchner Klimaherbst: hier.

 

 

 

76. Abend: Freitag, den 19. September 2014

 

PD Dr. Franz Hölker

 

Verlust der Nacht

Über die Folgen der Lichtverschmutzung für die Natur

 

Zum Thema:

„Wo sind die Sterne geblieben?" fragt sich mancher, der nachts in den Himmel schaut. In den Städten leuchten sie kaum noch, die Dauerbeleuchtung erhellt den Himmel und macht die Nacht zum Tag. Da Licht positiv mit Werten wie Sicherheit, Wohlstand und Modernität besetzt ist, neigen wir dazu, unsere Umgebung intensiv zu beleuchten. Doch was unschätzbare Vorteile bringt, hat auch seine Schattenseiten: Die „Lichtverschmutzung" nimmt zu - mit bisher unbekannten Auswirkungen auf Mensch und Natur.

 

Für die meisten Organismen ist der Wechsel von Tag und Nacht der stärkste Zeitgeber. Viele physiologische Prozesse, etwa zur Regenerierung von Zellen, der gesamte Schlaf-Wach-Rhythmus werden durch Licht gesteuert. Welche Auswirkungen hat es für uns Menschen, aber auch für die anderen Lebewesen in der Natur, von denen viele sich über Jahrmillionen an ein Leben in der Dunkelheit angepasst haben, wenn wir zunehmend unsere Nachtlandschaften beleuchten? Wie wirkt sich dies auf Ökosysteme und Artenvielfalt aus? Müsste sich nicht der Naturschutz auch verstärkt für den Schutz der Nacht einsetzen.

 

Zum Referenten:

Der Biologe und Privatdozent Dr. Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin leitet zurzeit den Forschungsverbund „Verlust der Nacht", dessen wichtigsten Ergebnisse er in dem Vortag vorstellen wird. In dem weltweit einmaligen interdisziplinären Projekt untersuchen Sozial- und Naturwissenschaftler, Astronomen und Lichttechniker erstmals gemeinsam die ökologischen, gesundheitlichen sowie kulturellen und sozioökonomischen Auswirkungen von künstlichem Licht in der Nacht.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, Waltherstr. 29 (Rückgebäude, II. Stock), 80337 München

Beginn: 18.00 Uhr

 

 

 

75. Abend: Mittwoch, den 2. Juli 2014

 

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald

 

Irrweg Bioökonomie

Über die zunehmende Kommerzialisierung des Lebens und mögliche Alternativen

 

Zum Thema:

Der Begriff „Bioökonomie" klingt harmlos. Er suggeriert Naturnähe und Nachhaltigkeit, doch hinter dem politischen Schlagwort „Bioökonomie" steckt keineswegs die Absicht, die Wirtschaft nach ökologischen Kriterien auszurichten, sondern die Natur noch intensiver als bisher kommerziell zu nutzen. Ein breites Bündnis aus Biotechnologie-, Nahrungsmittel- und Agrarunternehmen arbeitet zurzeit an der Umsetzung dieser Strategie. Die Bundesregierung unterstützt diese Bestrebungen, etwa im Rahmen ihrer „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030" mit öffentlichen Fördermitteln in Höhe von insgesamt 2,4 Milliarden Euro.

 

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald beleuchtet in seinem Vortrag diesen Entwicklungspfad an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Forschung. Er macht auf der Basis zentraler Aktionsfelder der Bioökonomie auf Weichenstellungen aufmerksam, die Tiere und Pflanzen erklärtermaßen zu „Biomasse" degradieren - eine Entwicklung, die letztlich auch vor dem Menschen nicht halt machen könnte. In dem Vortrag werden aber auch ökologisch und sozial erprobte Alternativen vorgestellt, mit der Natur - am Gemeinwohl orientiert - zu wirtschaften.

 

Zum Referenten:

Franz-Theo Gottwald ist Vorstand der Schweisfurth-Stiftung, lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Hochschule für Politik in München und berät Politiker, Verbände und Unternehmen im Bereich nachhaltiger Entwicklung. Er hat jüngst gemeinsam mit Anita Krätzer ein Buch zur Thematik veröffentlicht.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

Schweisfurth-Stiftung, Südliches Schlossrondell 1, 80638 München

Beginn: 19.00 Uhr

 

 

 

74. Abend: Dienstag, den 13. Mai 2014

 

Stefan Schridde

 

Heute gekauft – morgen kaputt

Geplanter Verschleiß von Produkten – und was man dagegen tun kann

 

Zum Thema:

Drucker, die von einem Blatt zum anderen ihren Betrieb einstellen, Küchengeräte, die nach wenigen Minuten heiß laufen, Kleidung, bei der sich nach zweimaligem Tragen die Nähte lösen - "nichts ist unmöglich" ist man in Anlehnung an einen bekannten Werbeslogan versucht zu sagen.

 

Fachleute sprechen von "geplanter Obsoleszenz", dem absichtlich herbeigeführten Verschleiß von Produkten, die eigentlich viel länger halten könnten - einzig zu dem Zweck, den Kauf neuer Produkte anzuregen. Der volkswirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden, wertvolle Ressourcen werden verschwendet, die Umwelt unnötig belastet.

 

In dem Vortrag werden konkrete Beispiele für den geplanten Verschleiß von Produkten benannzt, die Hintergründe dieser Verbrauchertäuschung ausgeleuchtet und Hinweise gegeben, woran jede/r einzelne eine langlebige und nachhaltige Produktqualität erkennen kann.

 

Zum Referenten:

Stefan Schridde studierte Betriebswirtschaftslehre in Würzburg und ist Initiator und Vorstand von MURKS? NEIN DANKE! e.V., einer jungen Verbraucherschutzorganisation für nachhaltige Produktqualität. Er gilt als einer der führenden Experten in der aktuellen Debatte über die Schäden durch geplante Obsoleszenz in Deutschland und steht zu diesem Thema im direkten Austausch mit Ministerien, Hochschulen und anderen Nichtregierungsorganisationen.

 

Download Präsentation (4 MB)

 

Veranstaltungsort und -zeit:

Schweisfurth-Stiftung, Südliches Schlossrondell 1, 80638 München

Beginn: 19.00 Uhr

 

 

 

73. Abend: Freitag, den 4. April 2014

 

Prof. Dr. Michael Braungart

 

Intelligente Verschwendung

"Cradle to Cradle" und der Weg in eine neue Überflussgesellschaft

 

Zum Thema:

Es ist die Vision einer neuen industriellen Revolution, an deren Umsetzung der Chemiker und Umweltforscher Michael Braungart seit Jahren arbeitet: Alle Produkte werden in Zukunft so intelligent produziert, dass sie - biologisch oder technisch - zu 100 Prozent wieder verwertet werden können. Abfall war gestern, ab sofort gibt es nur noch „Nährstoffe", die immer wieder zu neuen Produkten führen. Produziert wird gleichsam von der Wiege zur Wiege („Cradle to Cradle"), anstatt wie bisher von der Wiege zur Bahre - sprich Müllhalde.

 

Entgegen der Meinung vieler Umweltexperten, die uns das Sparen von Ressourcen nahelegen, plädiert Braungart mit seinem Cradle to Cradle-Konzept für deren intelligente Nutzung. Überfluss und Umweltschutz müssen dann kein Widerspruch sein: „Es gibt keinen Grund, sich als Fremdling in der Welt der Natur zu betrachten oder zu glauben, man würde nur Schaden darin anrichten", so Michael Braungart. „Im Gegenteil, wir können durch unseren Konsum zum Erhalt ihres Reichtums sogar beitragen: als Teil des Upcycling, der Aufwärtsspirale des Lebens."

 

Zum Referenten:

Dr. Michael Braungart ist Professor für Verfahrenstechnik an der Leuphana Universität Lüneburg und Lehrstuhlinhaber an der Erasmus Universität Rotterdam, Gründer und Leiter der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg sowie Fellow am Institute for Advanced Study (IAS) der TU München. Gemeinsam mit dem amerikanischen Architekten William Mc Donough hat er das Konzept Cradle to Cradle entwickelt und international in verschiedenen Produktfeldern erfolgreich umgesetzt.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

HVB-Forum, Prannerstr./Ecke Kardinal-Faulhaber-Str., 80333 München

18.30 Uhr bis ca. 21.00 Uhr

Anmeldung (bis 28. März) erforderlich.

 

 

 

72. Abend: Mittwoch, den 12. März 2014

 

Prof. Dr. Marcel Hunecke

 

Psychologie der Nachhaltigkeit

Psychische Ressourcen für Postwachstumsgesellschaften

 

Zum Thema:

 

Geld und Konsum allein machen bekanntlich nicht glücklich. Wie und wodurch aber erlangen wir Lebenszufriedenheit jenseits von materiellem Konsum und Wirtschaftswachstum? Und wie lässt sich das Wissen über die Ursachen des subjektiven Wohlbefindens für die Förderung nachhaltiger Lebensstile nutzen?

 

In einem Memorandum für das Bonner Denkwerk Zukunft ist der Umweltpsychologe Marcel Hunecke der Frage nachgegangen, welche psychischen Ressourcen Menschen befähigen, ihre Lebenszufriedenheit in erheblichem Umfang aus immateriellen Quellen zu speisen.

 

Genussfähigkeit, Selbstakzeptanz, Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit, Sinnkonstruktion und Solidarität haben sich dabei als die sechs zentralen psychischen Ressourcen ergeben, die aus der Falle ständiger Konsumwünsche herausführen und nachhaltige Lebensstile ermöglichen. Eine Analyse dieser Grundlagen und Quellen von Nachhaltigkeit und die Frage, wie sie für unser Gemeinwesen fruchtbar gemacht werden können, werden im Zentrum des Vortrags stehen.

 

Zum Referent:

Prof. Dr. Marcel Hunecke ist Professor für Allgemeine Psychologie sowie Organisations- und Umweltpsychologie an der Fachhochschule Dortmund im Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften und Privatdozent an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

Schweisfurth-Stiftung, Südliches Schlossrondell 1, 80638 München

Beginn: 19.00 Uhr

 

 

 

71. Abend: Dienstag, den 11. Februar 2014

 

Dr. Fritz R. Glunk und Dr. Martha Mertens

 

Der große Ausverkauf

Das geplante Freihandelsabkommen EU-USA

 

Zum Thema:

Seit Juni 2013 verhandeln die Europäische Union und die USA über den Ausbau der bisher größten Freihandelszone der Welt - das transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP). Das Abkommen wird nahezu alle Lebensbereiche betreffen: von Landwirtschaft und Ernährung über Umweltschutz, Energieversorgung, Datenschutz, den Zugang zu Medikamenten bis hin zur öffentlichen Auftragsvergabe. Trotz dieser Tragweite werden die Verhandlungen bislang unter bewusstem Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.

 

Während sich die EU-Kommission im Einklang mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern „langanhaltende Wachstumsimpulse" für die europäische Wirtschaft verspricht und auch die deutsche Politik deutlich mehr Chancen als Risiken in der geplanten Liberalisierung der Märkte sieht, formiert sich vor allem in der Zivilgesellschaft der Widerstand.

 

Der Vortragsabend wird über die konkreten Verhandlungsziele und über die weitreichenden Folgen des geplanten Freihandelsabkommens kritisch informieren.

 

Referent/-in:

Dr. Fritz R. Glunk ist Literaturwissenschaftler und Publizist und war 15 Jahre lang in der Auslandskulturpolitik tätig. Er hat sich in jüngster Zeit intensiv mit dem TTIP beschäftigt und u.a. einen vielbeachteten Gastbeitrag in der SZ verfasst. Dr. Martha Mertens ist Biologin und u.a. Sprecherin des Arbeitskreises „Gentechnik" beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

 

Veranstaltungsort und -zeit:

Schweisfurth-Stiftung, Südliches Schlossrondell 1, 80638 München

Beginn: 19.00 Uhr