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Preisträger:innen 2020


München, 20. November 2020 – Der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie ist am 20. November 2020 im Rahmen einer Online-Veranstaltung der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) vergeben worden. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis dient der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung. Von den aus dem In- und Ausland eingereichten Studien wurden zwei für einen Preis ausgewählt.

 

Der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Sebastian Berger erhielt 2.500 Euro für seine 2017 erschienene Monographie „The Social Costs of Neoliberalism. Essays on the Economics of K. William Kapp“. In den dort versammelten Aufsätzen wird Kapps ökonomische Theorie einer tiefgehenden und historisch vergleichenden Analyse unterzogen. Karl William Kapp (1910-1976), der Namensgeber des Kapp-Forschungspreises, hat Anfang der 1950er Jahre in seinem Buch „The Social Costs of Business Enterprise“ als einer der ersten auf die sozialen und ökologischen externen Kosten einer neoliberalen Marktwirtschaft aufmerksam gemacht und diese analysiert. Kapp gilt daher als einer der Gründerfiguren der ökologischen Ökonomie.

Die Arbeit von Sebastian Berger analysiert und rekonstruiert Kapps fundamentale theoretische Kritik am Neoliberalismus und allen rein marktbasierten Ansätzen zur Lösung des Sozialkostenproblems. Sie zeigt aber auch die vielfältigen Lösungsansätze auf, die Kapp entwickelt hat und die nach wie vor zu den Grundlagen der ökologischen Ökonomie zählen. Dabei greift der Verfasser auf bislang wissenschaftlich unausgewertete und unbekannte Forschungsdokumente zurück. Ihr gelingt, so die Jury in ihrer Begründung, ein bislang nicht erreichtes hermeneutisches Tiefenverständnis des Ursprungs, der Einflüsse und der Entwicklung des Werks dieses bedeutenden Ökonomen.

Die Politikwissenschaftlerin Franziska Kusche erhielt ein Preisgeld in Höhe von ebenfalls 2.500 Euro für ihre an der Universität Wien 2019 eingereichte Masterarbeit „Die sozial-ökologische Krise ver_handeln! Eine gesellschaftstheoretische Betrachtung des Konzepts des Ökologisch Ungleichen Tauschs“. Die Theorie des Ungleichen Tauschs, die bislang im deutschsprachigen Raums kaum rezipiert wurde und mit der Arbeit von Franziska Kusche erstmals umfassend dargestellt wird, analysiert die sozial-ökologischen Aspekte globaler Handelsbeziehungen. Sie macht deutlich, wie Länder und Regionen die Ressourcen und das Land „der anderen“ (meist im globalen Süden) verbrauchen und damit Konflikte und Ungleichheiten verursachen, die aus ihren eigenen Grenzen ausgelagert werden.

Franziska Kusche analysiert sozial-ökologische Ungleichheiten im globalen Maßstab als strukturelle Grundlage einer wachstumsorientierten Markwirtschaft. Die Politikwissenschaftlerin zeigt aber nicht nur diese Zusammenhänge auf, sondern skizziert auch Lösungsansätze und Regulierungsmöglichkeiten. So könnten z.B. global ausgerichtete ökologische Steuern die ungleichen Material- und Energieflüsse innerhalb der Handelsbeziehungen zwischen den Ländern ausgleichen. Durch die Erweiterung der Theorie des Ungleichen Tauschs mithilfe des Konzepts der Imperialen Lebensweise (U. Brand & M. Wissen) gelingt es der Verfasserin, einen neuartigen Analyserahmen zu schaffen, der natur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Aspekte sowie Kritiken sozialer Bewegungen miteinander vereint. Die Studie wird dadurch, wie die Jury in ihrer Begründung betont, in besonderer Weise dem inter- und transdisziplinären Anspruch des Kapp-Forschungspreises gerecht.

 

Video der Online-Preisverleihung am 20. November 2020: hier