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Münchner Forum Nachhaltigkeit


Gemeinsam mit dem oekom Verein und der Schweisfurth-Stiftung führt sie Selbach-Umwelt-Stiftung seit 2005 die regelmäßige Vortragsreihe "Münchner Forum Nachhaltigkeit" durch.

 

Als zusätzliche Kooperationspartner konnten in den letzten Jahren gewonnen werden: Die Umwelt-Akademie e.V., Bürgerstiftung München, Green City e.V., Hochschule für angewandte Wissenschaften München, Ringvorlesung Umwelt der Studentischen Vertretung der TU München.

 

Eine Überblick über die Vorträge der Jahre 2005 bis 2021 finden Sie hier.

 

 

144. Abend: Dienstag, den 31. Mai 2022

 

Martin Repohl

 

Tschernobyl

Zwischen Entfremdung und Wiederaneignung von Welt

Reisebericht vom Vorabend des Krieges

 

Thema:

Auch nach über sechsunddreißig Jahren weckt die Atomkatastrophe von Tschernobyl Gefühle der Bedrohung, Angst, aber auch der Faszination. Der Ukrainekrieg führt einmal mehr vor Augen, dass die radioaktive Kontamination weiterhin gegenwärtig ist und von ihr eine bis heute anhaltende Gefährdung ausgeht.


Im Angesicht dieser nicht vergehen wollenden Vergangenheit geht Martin Repohl in seinem Vortrag der Frage nach, was eigentlich das Spezifische der Erfahrung von Tschernobyl ausmacht. Berichtet wird dabei von einer mehrtägigen Reise in die radioaktive Sperrzone im September 2021. Hier konnte erlebt werden, wie die radioaktive Kontamination die Weltbeziehung des Menschen vor Ort verändert und wie sich eine nunmehr frei wirksame Natur diesen Ort zurückholt.

Die mitgebrachten Bilder zeigen einen einzigartigen Ort, von dem eine eigentümliche Faszination ausgeht. Verdeutlicht wird, wie mit der Reaktorkatastrophe eine Transformation der materiellen Welt in Gang gesetzt wurde, die ihrerseits gelingen-de Beziehungen in und zur Welt unterminiert und was uns diese massive Entfremdungserfahrung auch heute, in Anbetracht von Klimawandel und Umweltverschmutzung, für das Verständnis der ökologischen Krise sagen kann.
 

Referent:

Martin Repohl, M.A., ist Doktorand und Soziologe am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt. Er hat Politikwissenschaft, Soziologie und Gesellschaftstheorie an den Universitäten Leipzig und Jena studiert. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Soziologie der Weltbeziehung, Soziologie der Materialität sowie Phänomenologie der ökologischen Krise. Zum Thema seines Vortrags hat er im Tectum Verlag 2019 das Buch veröffentlicht: „Tschernobyl als Weltkatastrophe. Weltbeziehung in einer kontaminierten Welt“.

 

Die Anmeldung zu dieser Hybrid-Veranstaltung im münchner zukunftssalon erfolgt über die Website des oekom e.V.: hier.

 

 

 

143. Abend: Donnerstag, den 28. April 2022

 

Prof. Dr. Sabine Gabrysch

 

Planetary Health

Ein umfassendes Gesundheitskonzeot für Mensch und Erde

 

Thema:

Nicht erst die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie verwundbar wir sind. Und wie eng verbunden mit der Natur. Hitzewellen, Überschwemmungen, Luftverschmutzung, Infektionskrankheiten, Nahrungskrisen und Hungersnöte führen uns immer wieder drastisch vor Augen, dass unsere Gesellschaft auf funktionierende Ökosysteme und ein stabiles Klima angewiesen ist.
 
Die Klima- und Umweltkrise stellt zweifellos das größte Gesundheitsrisiko des 21. Jahrhunderts dar. Aber auch umgekehrt gilt: Klima-, Umwelt- und Artenschutz sind immer auch Gesundheitsschutz. Und da die zunehmenden Umwelt- und Gesundheitsprobleme oft gemeinsame Wurzeln haben, können bei den Lösungsansätzen Synergien gefunden werden. Diese gilt es zu nutzen.
 
Vor diesem Hintergrund entstand in den letzten Jahren Planetary Health (deutsch: Planetare Gesundheit) als umfassendes Gesundheitskonzept. Im Zentrum steht der ebenso schlichte wie folgenreiche Gedanke, dass ein gesundes Leben für uns Menschen nur auf einem gesunden Planeten möglich ist. Das nächste Hauptgutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), das 2023 veröffentlicht werden soll, wird diesem Thema gewidmet sein.

 

Referentin:

Die Ärztin und Epidemiologin Prof. Dr. Sabine Gabrysch ist Mitglied des WBGU und wird in ihrem Vortrag zentrale Elemente und Schlüsselfragen des Planetary Health-Ansatzes zur Diskussion stellen. Sie erhielt 2019 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Klimawandel und Gesundheit, der von der Berliner Charité und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung als bundesweit erster an einer medizinischen Fakultät eingerichtet wurde.

 

Die Anmeldung zu dieser Online-Veranstaltung erfolgt über die Website des oekom e.V.: hier.

 

 

 

142. Abend: Montag, den 21. Februar 2022

 

Mycle Schneider

 

Atomkraft & Klima

Die (vermeintliche) Renaissance der Atomenergie in Zeiten des Klimawandels

 

Thema:

Mit Atomstrom gegen den Klimawandel? Diese Frage wird in letzter Zeit immer häufiger diskutiert – weniger in Deutschland, dafür weltweit. Denn Kernenergie, die zurzeit noch zehn Prozent der weltweiten kommerziellen Stromproduktion ausmacht, gilt vielen als „CO2-arm“ und insofern „klimafreundlich“, ja „nachhaltig“. So auch jüngst die Begründung dafür, Kernenergie (und Erdgas) als nachhaltige Energieformen in die sog. EU-Taxonomie aufnehmen zu wollen, wodurch verstärkt private wie öffentliche Gelder in diesen Energiesektor fließen sollen.

 

In dem Vortrag wollen wir der Frage nachgehen, ob Kernenergie wirklich „klimafreundlich“ ist oder ob sie womöglich auf indirektem Wege die Klimakrise sogar verschärft. Zudem wollen wir uns einen Überblick verschaffen über die Entwicklung der Kernenergie weltweit (Renaissance oder schleichender Niedergang?), aber auch darüber, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf Sicherheit und Risikomanagement der Anlagen hatte und hat. Ein besonderes Augenmerk wird dem aktuellen (Zu-)Stand des Atomprogramms unseres Nachbarn Frankreich gewidmet, das mehr als die Hälfte der Atomkraftwerke in der EU betreibt.

 

Referent:

Mycle Schneider gilt international als einer der renommiertesten Fachleute auf diesem Gebiet. Er ist Herausgeber des jährlich erscheinenden World Nuclear Industry Status Report (WNISR). Der WNISR ist ein unabhängiges Referenzwerk zur Entwicklung der globalen Atomkraftwerksindustrie. Schneider hat an zahlreichen Universitäten und Ingenieurschulen gelehrt und arbeitet als unabhängiger Berater für Regierungen, Think Tanks und internationale Organisationen. Er lebt in Paris. 1997 erhielt er den Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award).

 

Die Anmeldung zu deiser Online-Veranstaltung via Zoom erfolgt über die Website des oekom e.V.: hier.