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Münchner Forum Nachhaltigkeit


Gemeinsam mit dem oekom Verein und der Schweisfurth-Stiftung führt sie Selbach-Umwelt-Stiftung seit 2005 die regelmäßige Vortragsreihe "Münchner Forum Nachhaltigkeit" durch.

 

Als zusätzliche Kooperationspartner konnten in den letzten Jahren gewonnen werden: Die Umwelt-Akademie e.V., Bürgerstiftung München, Green City e.V., Hochschule für angewandte Wissenschaften München, Ringvorlesung Umwelt der Studentischen Vertretung der TU München.

 

Eine Überblick über die Vorträge der Jahre 2005 bis 2019 finden Sie hier.

 

 

137. Abend: Dienstag, den 15. Juni 2021

 

Pia Eberhardt


Konzernschutz vor Klimaschutz?
Der Energiecharta-Vertrag (ECT) als Gefahr für Umwelt, Klima und Demokratie

Thema:

Immer öfter verklagen Konzerne der fossilen Energiewirtschaft Staaten auf Schadensersatz, wenn die Regierungen berechtigte Klimaschutzmaßnahmen ergreifen. Die Grundlage für diese Klagen ist der 1998 abgeschlossene Energiecharta-Vertrag (ECT), dem bislang über 50 Staaten, darunter auch die Länder der EU, beigetreten sind.

Die im Vertrag enthaltenen Sonderklagerechte für Konzerne ermöglichen es Energiekonzernen und Investoren, Regierungen für klimafreundliche Gesetze abzustrafen. Allein 1,4 Milliarden Euro Schadenersatz verlangt etwa RWE für den von den Niederlanden beschlossenen Kohleausstieg. Auch in Deutschland hat der Energiecharta-Vertrag den anstehenden Kohleausstieg enorm verteuert. In vielen weiteren Ländern werden Pläne zum Ausstieg aus fossilen Energien allein schon durch Klageandrohungen bis zur Unbrauchbarkeit abgeschwächt, zurückgezogen oder erst gar nicht in Angriff genommen.

Doch inzwischen regt sich Widerstand. In ganz Europa fordern über 500 Klimawissenschaftler*innen, hunderte gemeinnützige Organisationen und mehr als 1 Million Menschen einen EU-Austritt aus dem Pakt. Mit dem Energiecharta-Vertrag stehen Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit eines globalen Klimaschutzes, zu dem sich die Staatengemeinschaft verpflichtet hat, auf dem Spiel.

Referentin:

Handelsexpertin Pia Eberhardt arbeitet als Campaignerin und Rechercheurin bei der Brüsseler NGO Corporate Europe Observatory (CEO). Sie setzte sich bereits gegen Handelsverträge TTIP und CETA ein und beschäftigt sich schon lange mit dem Energiecharta-Vertrag und den Gefahren einer Paralleljustiz für Konzerne.

Online-Veranstaltung. Anmeldung erforderlich

 

 

 

136. Abend: Donnerstag, den 20. Mai 2021

 

Dr. Wolfgang Schmidbauer

 

Die Freude am Weniger und die Angst vor Veränderung

 

Thema:

Was Menschen in Bewegung setzt, ist entweder die Verteidigung einer als bedroht erlebten Identität – oder die Hoffnung auf Eroberung und reiche Beute. Beide Motive können in den Dienst einer ökologischen Wende gestellt werden; ihr Gegenspieler ist die Verlustangst, in der die menschliche Fähigkeit zu Einsicht und Vorausschau ausgeschaltet und durch den Versuch ersetzt wird, sich blindlings an Bestehendes zu klammern. In der umweltpsychologischen Unterstützung der Entwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft wird es vor allem darum gehen, Ängste zu unterscheiden: Welche müssen wir ertragen, um bessere Wege zu finden; welche nötigen uns, einen schädlichen Weg beizubehalten?

Referent:

Dr. Wolfgang Schmidbauer ist Schriftsteller, Autor zahlreicher Sach- und Fachbücher, und einer der bekanntesten deutschen Psychoanalytiker und Paartherapeuten. Bereits in dem 1970er-Jahren kritisierte er mit seinem Buch homo consumens als einer der Ersten die Konsumgesellschaft aus ökologisch-psychologischer Sicht.

 

Online-Veranstaltung

 

 

 

135. Abend: Montag, den 19. April 2021

 

Prof. Dr. Ingrid Krau (mit Dr. Ariane Sept und Victor Goebel)

 

Corona und die Städte

Suche nach einer neuen Normalität

 

Thema:
Immer deutlicher wird, dass die Corona-Pandemie keine vorübergehende Episode ist, sondern einen Epochenumbruch zur Folge hat. In ihrem Zentrum steht die Erschütterung des bisherigen Zusammenlebens in den großen Städten und des Sinns von Urbanität. Die pandemiebedingte „Furcht voreinander“ wird noch lange das Miteinander in der Stadt prägen. Damit verschwindet die alte Normalität des urbanen Zusammenlebens – und macht einer neuen Platz. Nur, wie könnte die aussehen?

 

Nicht nur die Pandemiegefahr, auch die sich dramatisch zuspitzende Klimakrise und wachsende Armut zwingen uns, die Städte und ihr Wachstum in den Blick zu nehmen. Auch hier zeichnet sich ein Umbruch ab: während sich gleichzeitig noch die Baukräne drehen, um die Städte weiter zu verdichten und so die innerstädtischen Grünräume dezimiert werden, nimmt der Zuzug ab und verlieren die Städte zugunsten ländlicher Räume an Attraktivität. Dieser Umbruch wird sich nicht im Selbstlauf erledigen. Er braucht Planung und politische Steuerung.

 

Die Referentin Ingrid Krau wird in dem Vortrag ihre Beobachtungen zu Stadtwachstum, Verdichtung, Seuchenausbreitung, Zusammenbruch und Kurskorrektur in den Kontext der historischen Vorläufer im 19. Jahrhundert stellen und zugleich Bezug nehmen auf die Erkenntnisse naturwissenschaftlicher Lebenswissenschaften. Als Beobachtende des Umbruchs im ländlichen Raum hat sie zwei Gäste hinzugeladen, die sich forschend mit den neuen Perspektiven dieser Räume auseinandersetzen.

 

Referierende:

Prof. Dr. Ingrid Krau, Architektin und Stadtplanerin, bis 2007 Inhaberin des Lehrstuhls für Stadtraum und Stadtentwicklung an der TU München, seither publizistisch tätig mit Schwerpunkten zum Ausstieg aus fossilen Energien, Stadtwachstum und Verdichtungsstrategien.

 

Dr. Ariane Sept, Dipl.-Ing. der Stadt- und Regionalplanung und Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Abteilungsleiterin am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner bei Berlin.

 

Viktor Goebel, Geograph und Projektleiter für nachhaltige Mobilität bei der Landeshauptstadt München, zuvor wissenschaftlicher Mitarbeiter zu Fragen der Raumentwicklung an der TU München und in der schweizerischen Bundesverwaltung.

 

Online-Veranstaltung.

 

 

 

134. Abend: Montag, den 15. März 2021

 

Kathrin Hartmann

 

Grüne Illusionen

Warum wir die ökologische Frage stärker mit der sozialen verknüpfen müssen

 

Thema:
Es scheint, als wären inzwischen alle für einen umfassenden Klima- und Artenschutz – „im Prinzip“ jedenfalls. Doch es mangelt an der konsequenten Umsetzung auf allen Ebenen der Gesellschaft. Zudem ist die Gefahr groß, dass sich in der Debatte ein „Weiter so“ in grünem Gewand durchsetzt. Denn vor allem technologische Lösungsvorschläge, wie sie die „Green Economy“ mit ihren „nachhaltigen“ Konsumversprechen bereithält, haben Konjunktur – Versprechen für „grünes Wachstum“, die jedoch soziale, ökonomische und politische Machtfragen weitgehend ausblenden.

 

Die Referentin des Abends, die Journalistin und bekannte Buchautorin Kathrin Hartmann, bezweifelt, dass die momentan diskutierten Wege wirklich zu der erforderlichen ökologischen und sozialen Transformation unserer Gesellschaft führen werden. Sie befürchtet, dass sie im Gegenteil die globalen sozialen und ökologischen Verheerungen noch weiter vorantreiben.

 

In ihrem jüngsten Buch Grüner wird’s nicht schreibt sie: „Die Gewalt, die dem Klimawandel eingeschrieben ist, war und ist nie nur ein Verbrechen gegen die Natur, sondern immer auch gegen Menschen. Daher ist es wichtig, den Klimaschutz nicht isoliert zu betrachten, nicht als ‚Generationenfrage’ und erst recht nicht als drohende ‚Auslöschung der Menschheit’. Sondern als Frage der globalen Gerechtigkeit, heute, hier und jetzt. Dafür müssen wir ökologische, soziale und Machtfragen miteinander verbinden.“

 

Referentin:

Kathrin Hartmann schreibt u.a. für die Süddeutsche Zeitung, den Freitag und die Frankfurter Rundschau. In ihren Büchern (z.B. Aus kontrolliertem Raubbau oder Die grüne Lüge) setzt sie sich kritisch mit den Konzepten „grünes Wachstum“ und „nachhaltiger Konsum“ auseinander.

 

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133. Abend: Donnerstag, den 18. Februar 2021

 

Dr. Joachim Spangenberg

 

Nicht die Fledermäuse sind schuld

Über den Zusammenhang von Naturzerstörung und Pandemiegefahr

 

Thema:
Das SARS-CoV-2-Virus, das die Covid-19-Pandemie verursacht, ist höchst wahrscheinlich im Verlauf des Handels mit Wildtieren, gegebenenfalls über Zwischenwirte, auf den Menschen übergegangen. Wildtierzucht in Massentierhaltung und Wildtierhandel sind eine wichtige Quelle solcher Zoonosen.

 

Noch häufiger ist die Übertragung im Freiland: durch die immer engere Konfrontation mit den Virusträgern, denen sich der Mensch beim Eindringen in noch funktionierende Naturlandschaften aussetzt. Erst Jagd, dann Waldrodung und landwirtschaftliche Nutzung plus Besiedlung führen zu Situationen, in denen solche Virusübergänge häufiger werden.

 

Der Vortrag zeigt die Zusammenhänge auf, die zwischen der Zerstörung von Naturgebieten und dem Ausbruch von Infektionskrankheiten beim Menschen bestehen. Er macht deutlich, dass Naturschutz und Gesundheitsschutz zusammengedacht werden müssen, dass im Sinne des „One-Health“-Konzepts die Gesundheit von Natur, Tier und Mensch gleichermaßen zentral ist, um zukünftige Pandemien zu vermeiden. Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) hat in seiner jüngsten Studie eindrücklich aufgezeigt, warum die Wahrscheinlichkeit von Pandemien mit der zunehmenden Vernichtung von Ökosystemen und Biodiversität steigt.

 

So gesehen ist auch die Corona-Krise alles andere als eine unvermeidbare „Naturkatastrophe“. Vielmehr sei der Schutz der natürlichen Artenvielfalt eine »essenzielle Komponente der Pandemie-Prophylaxe«, so der Referent des Abends.

 

Referent:

Dr. Joachim Spangenberg ist Biologe, Ökologe und Wirtschaftswissenschaftler. Er hat an der jüngsten IPBES-Studie mitgearbeitet und u.a. viele Jahre am Wuppertal-Institut und am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) gearbeitet. Er ist Vizepräsident des Sustainable Research Institute (Seri) in Köln und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

 

 

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