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Münchner Forum Nachhaltigkeit


Gemeinsam mit dem oekom Verein und der Schweisfurth-Stiftung führt sie Selbach-Umwelt-Stiftung seit 2005 die regelmäßige Vortragsreihe "Münchner Forum Nachhaltigkeit" durch.

 

Als zusätzliche Kooperationspartner konnten in den letzten Jahren gewonnen werden: Die Umwelt-Akademie e.V., Bürgerstiftung München, Green City e.V., Hochschule für angewandte Wissenschaften München, Ringvorlesung Umwelt der Studentischen Vertretung der TU München.

 

Eine Überblick über die Vorträge der Jahre 2005 bis 2018 finden Sie hier.

 

 

123. Abend: Montag, den 18. November 2019

 

Dr. Michael Kopatz

 

Schluss mit der Ökomoral!

Wie wir das Richtige tun, ohne ständig daran zu denken

 

Zum Thema:

Ist es verlogen, für den Klimaschutz zu demonstrieren, wenn man zugleich auch ab und an in ein Flugzeug steigt? Oder konventionelles Fleisch zu essen und trotzdem mehr Tierwohl einzufordern? – „Nein“, meint Michael Kopatz. Man kann Begrenzung fordern, ohne sich selbst zu begrenzen. „Es ist Aufgabe der Politik, die Konsumenten von der Last zu befreien, immer die ‚richtige’ Entscheidung treffen zu müssen.“

 

Der Sozial- und Umweltwissenschaftler des Wuppertal-Instituts ist davon überzeugt, dass umweltfreundliches Verhalten nicht durch moralische Appelle entsteht. Erforderlich sei vielmehr eine veränderte Ordnungspolitik, die intelligente Standards und Limits setzt, damit „Öko“ zur Routine wird – und die erhobenen Zeigefinger verschwinden.

 

Bei entsprechenden Rahmenbedingungen und „Gelegenheitsstrukturen“ werde sich der Wandel zur Nachhaltigkeit verselbständigen. Ökoroutine macht Nachhaltigkeit zum Normalfall. Damit aber Öko in unserer Gesellschaft zur Routine wird, sei politisches Engagement, so Michael Kopatz, weitaus wichtiger als privater Konsumverzicht.

 

In seinem Vortrag wird er das Konzept der Ökoroutine für verschiedene Bedürfnisfelder wie Wohnen, Ernährung und Mobilität vorstellen und anhand kurzweiliger Alltagsgeschichten aufzeigen, wie politisch veränderte Verhältnisse das Verhalten ändern und wir mit unseren neuen Alltagsroutinen endlich das tun, was wir auch für richtig halten.

 

Zum Referenten:

Dr. Michael Kopatz ist wissenschaftlicher Projektleiter im Wuppertal Institut und war dort maßgeblich an der Erstellung des Standardwerks Zukunftsfähiges Deutschland beteiligt. 2018 erschien von ihm das Buch Ökoroutine, vor wenigen Woche folgte seine Streitschrift Schluss mit der Ökomoral!

 

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München (U-Bahn Goetheplatz):

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Anmeldung erforderlich

 

 

 

 

122. Abend: Montag, den 21. Oktober 2019

 

PD Dr. Achim Brunnengräber

 

Vom Regen in die Traufe?

Die sozial-ökologischen Schattenseiten der E-Mobilität

 

Zum Thema:

„E-Mobilität“ heißt das neue Zauberwort in der politischen Auseinandersetzung um nachhaltige Verkehrskonzepte. Doch angenommen, die Prognosen treffen ein und bereits in zehn Jahren wird jedes dritte Auto, das in Deutschland oder Europa neu zugelassen wird, elektrisch angetrieben sein. Wäre das wirklich wünschenswert und vor allem nachhaltig?

 

Viele Rohstoffe für die Batterien und die Elektromotoren stammen aus dem Globalen Süden. Ihre Förderung ist oft mit Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzungen, kriegerischen Auseinandersetzungen und Umweltverschmutzungen verbunden.

  • Wird die E-Mobilität zum Beschleuniger einer „Externalisierungsgesellschaft“, in der die einen auf Kosten der anderen leben?
  • Wie sähe stattdessen eine nachhaltige Mobilitätskultur aus, die sich vom automobilen Individualverkehr verabschiedet, die Ressourcen schont und sich innerhalb der planetarischen Grenzen bewegt? 

Zum Referenten:

Antworten auf diese Fragen gibt in seinem Vortrag der Politikwissenschaftler PD Dr. Achim Brunnengräber. Am Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin arbeitet er zurzeit an einem Forschungsprojekt über „Die politische Ökonomie der E-Mobilität“, in dem es um Potenziale und Hindernisse für eine nachhaltige Verkehrspolitik in Deutschland und der Europäischen Union geht.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München (U-Bahn Goetheplatz):

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Anmeldung erforderlich

 

 

 

121. Abend: Dienstag, den 8. Oktober 2019

 

Dr. Jessica Le Bris und Prof. Dr. Benedikt Boucsein et al.

 

Die bewegte Stadt

Auftaktveranstaltung des 13. Münchner Klimaherbstes

 

Zum Thema:

Wer in München lebt, denkt beim Schlagwort Mobilität vor allem an Verkehr: an Staus, ausfallende S-Bahnen, Lärm oder Luftverschmutzung – aber vielleicht auch an das Glück, mit dem Rad oder zu Fuß in dieser schönen Stadt unterwegs zu sein ...

 

„Die bewegte Stadt“ lautet das Motto des diesjährigen Klimaherbstes zum Thema „Mobilität“ sowie auch der Auftaktveranstaltung, zu der wir Sie hiermit herzlich einladen. An dem Abend wollen wir gemeinsam folgenden Fragen nachgehen:

                

Was bewegt die Stadt?

Wir haben Initiativen und Organisationen aus der Zivilgesellschaft eingeladen, ihre Themen und Anliegen zu präsentieren und diskutieren. Unter anderem werden Vertreter*innen des Münchner Radentscheids, von Fridays for Future München und Raus aus der Steinkohle vor Ort sein.

 

Wer bewegt sich wie und warum in der Stadt?

Dr. Jessica Le Bris von Green City wird über den Status quo in München hinausschauen und Einblicke in aktuelle weltweite Entwicklungen im Bereich der Mobilität geben.

 

Wohin bewegt sich unsere Stadt?

Diesen Brückenschlag vom jetzt zum Morgen vollzieht Benedikt Boucsein, Professor für Urban Design der TU München, den die Frage beschäftigt, wie die Lebensgrundlagen in der Stadt gestaltet sein müssen, damit sie auch für kommende Generationen lebenswert bleibt.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

Alter Rathaussaal, Marienplatz 15 

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr

 

 

 

120. Abend: Freitag, den 13. September 2019

 

Frank Nierula

 

Problemfall Palmöl

Hintergründe, Fakten und Tipps für nachhaltigen Konsum

 

Zum Thema:

Palmöl ist seit Jahren das meistgehandelte Pflanzenöl auf dem Weltmarkt und gilt als einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt. Es ist in großen Mengen verfügbar, haltbar und billig in der Herstellung. Palmöl steckt in vielen Produkten unseres täglichen Gebrauchs: von Margarine und Schokoriegel bis hin zum Lippenstift und Waschmittel.

 

Unter der wachsenden Nutzung von Palmöl leiden jedoch Mensch und Natur: Weltweit fallen wertvolle tropische Regenwälder riesigen Monokulturen zum Opfer und werden Landnutzungsrechte von Kleinbauern missachtet.

  • Wo haben wir als Verbraucher*innen Berührungspunkte mit Palmöl ...
  • und in wie weit können wir diese überhaupt beeinflussen?
  • Ist eine ökologisch wie sozial nachhaltige Produktion von Palmöl möglich?

Zum Referenten:

Auf diese Fragen wird der Biologe Frank Nierula in seinem Vortrag eingehen. Er schloss sein Biologiestudium mit einer Studie über Folgen und Hintergründe des industriellen Anbaus der Ölpalme in Südostasien ab. Seitdem beschäftigte er sich mit der Frage, wie Konsument*innen zu einer Verbesserung der Situation beitragen können. Gemeinsam mit Frauke Fischer hat er jüngst den „Palmöl-Kompass“ als Buch veröffentlicht und arbeitet zurzeit für die Green Economy Academy in Frankfurt und die Nachhaltigkeitsagentur „auf!“.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München (U-Bahn Goetheplatz):

18.00 Uhr bis ca. 20.00 Uhr.

Anmeldung erforderlich

 

 

 

 

119. Abend: Donnerstag, den 11. Juli 2019

 

Prof. Dr. Ortwin Renn

 

Klimawandel – Risiko & Resilienz

Warum wir uns vor den falschen Risiken fürchten

 

Zum Thema:

 

Der Klimawandel kommt „schleichend“ daher. Sein hohes Bedrohungspotenzial wird deutlich unterschätzt, weil er uns – außer bei einem zu heißen Sommer 2018 – nicht täglich und nicht mit plötzlichen Katastrophen trifft. Weil klimabedingte Ereignisse örtlich und zeitlich weit entfernt voneinander stattfinden, nehmen wir die dahinterstehenden systemischen Risiken mit ihren Ursache-Wirkungs-Ketten nicht wahr.

 

Systemische Risiken wie der Klimawandel unterscheiden sich von herkömmlichen: Sie sind hochkomplex, eng vernetzt mit anderen Risiken, strahlen auf unterschiedliche Wirtschafts- und Lebensbereiche aus, werden wegen ihrer Nicht-Linearität unterschätzt und sind schwer zu begrenzen. Zudem überschreiten sie nicht nur nationale Grenzen, sondern auch solche zwischen wissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Systemen.

 

Beim Klimawandel geht es – neben den Risiken – auch um Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit, globale ökologische und gesellschaftliche Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und gesellschaftlich vermittelte Ressourcen für künftige Entwicklungen zu nutzen.

  • Wie kann angesichts der globalen Klimaveränderungen auf den unterschiedlichen Ebenen unserer Gesellschaft Resilienz aufgebaut und gefördert werden?
  • Und wie kann Zukunft so vergegenwärtigt werden, dass die Berücksichtigung von Langfristfolgen stärker Eingang in die – auch globale – politische und gesellschaftliche Praxis findet.
  • Kurzum: Wie können verantwortbare und handhabbare Zukünfte aussehen?

Zum Referenten:

Antworten auf diese Fragen gibt in seinem Vortrag Prof. Dr. Ortwin Renn, Wissenschaftlicher Direktor des Institute for Advanced Sustainable Studies (IASS) in Potsdam und international einer der renommiertesten Resilienz- und Risikoforscher.

 

 

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München (U-Bahn Goetheplatz):

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Anmeldung erforderlich

 

 

 

118. Abend: Dienstag, den 25. Juni 2019

 

Dr. Angelika Hilbeck

 

Neue Gentechnik

... oder agrarökologische Alternativen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

 

Zum Thema:

In jüngster Zeit wird über eine Reihe von Technologien diskutiert, die auch als „Genome Editing“ bezeichnet werden und die u.a. zur Herstellung neuer gentechnisch veränderter Tiere und Pflanzen eingesetzt werden. Diese neueren molekularbiologischen Verfahren, darunter CRISPR/Cas als das bekannteste, erlauben noch tiefere und weitergehende Eingriffe in das Erbgut als die bisherige Gentechnik. Entsprechend hoch sind die Erwartungen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft – auch wenn die Anwendung dieser neueren Gentechniken mit ungewissen Neben- und Folgewirkungen für Konsumenten, Natur und Umwelt verbunden ist.

 

In dem Vortragsabend wollen wir die Verfahren der neuen Gentechnik für Laien verständlich vorstellen und hinsichtlich ihrer Potenziale und Risiken bewerten. In einem zweiten Schritt soll das Thema in den größeren Zusammenhang von Fragen einer global zukunftsfähigen Landwirtschaft gestellt werden. Die Referentin wird agrarökologische Alternativen aufzeigen, um Erträge zu steigern, Schädlingsbefall zu minimieren oder Pflanzen angesichts des globalen Klimawandels dürre- und hitzeresistenter zu machen.

 

Zur Referentin:

Die Agrarbiologin Dr. Angelika Hilbeck arbeitet seit 2000 am Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich und leitet dort die Forschungsgruppe Umweltbiosicherheit und Agrarökologie. Sie befasst sich in der Lehre und Forschung mit den Auswirkungen der Agro-Gentechnik auf Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion und Umwelt. Sie hat u.a. am Weltagrarbericht (IAASTD 2008) mitgearbeitet und ist Mitgründerin und Vorstandsmitglied des European Networks of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER).

 

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München (U-Bahn Goetheplatz):

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Anmeldung erforderlich

 

 

 

117. Abend: Montag, den 13. Mai 2019

 

Silke Helfrich

 

Frei, fair und lebendig

Die Macht der Commons

 

Zum Thema: 

Wie kann die „große Transformation“ zu einer Wirtschaft und Gesellschaft gelingen, die die Grenzen des Planeten respektiert? Zu einer Gesellschaft von Freien und Gleichen, die im Einklang mit unserer lebendigen Mitwelt lebt? Diese Frage treibt uns um und an. Dabei tut not, jenseits der Tagespolitik grundsätzlich zu denken, und Begriffe wie Mensch, Eigentum und Staat neu in den Blick zu nehmen.

 

In diesem Suchprozess hat der Begriff der Commons an Bedeutung gewonnen, als philosophische und praktische Alternative jenseits des Dualismus von Markt und Staat. Manche sagen dazu auch „Gemeingüter“, doch das ist verkürzt. Denn Commons sind Lebensformen, lebendige soziale Prozesse, in denen Menschen selbstorganisiert ihre Bedürfnisse befriedigen.

 

In Projekten der Solidarischen Landwirtschaft wird Gemüse gezogen und das Risiko, dass die Ernte verhagelt oder verdorrt, gemeinsam getragen. Das „Mietshäuser Syndikat“ löst Wohnraum aus dem Markt und überlässt ihn Menschen, die zugleich Mieter und Eigentümer werden. Und Gemeinschaftswälder oder -gewässer sind wohl die ältesten Commons überhaupt: Bis zu 2,5 Milliarden Menschen sind auf Gemeinschaftsland angewiesen. Durch Commoning kann heute praktisch alles gemeinsam bereitgestellt und genutzt werden, was Menschen brauchen: Solarautos, Möbel, Krankenpflege, WLAN, Software.

 

Doch Commoning wird nur wachsen können, wenn es vom Staat anerkannt und gefördert wird. Aufgabe der Politik wäre es, neue institutionelle Formen zu entwickeln, die den Commons eine Chance geben, sich zu entfalten und den Menschen Befugnisse zu übertragen, damit sie ihre Angelegenheiten in die eigenen Hände nehmen können.

 

Zur Referentin:

Die Referentin des Abends, Silke Helfrich, ist freie Autorin, Aktivistin, Forscherin, Bloggerin und seit langem in der Commons-Bewegung aktiv. Die Mitbegründerin des Commons-Institut e.V. und der Commons Strategies Group hat jüngst zusammen mit David Bollier ein neues Standardwerk über die „Macht der Commons“ geschrieben.

  

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München (U-Bahn Goetheplatz):

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Anmeldung erforderlich

 

 

 

116. Abend: Dienstag, den 9. April 2019

 

Dr. Anita Idel

 

Mythen der Landwirtschaft

... oder warum Kühe besser sind als ihr Ruf

 

Zum Thema:

Kühe sind zwar Sympathieträger, haben aber in Sachen Klimaschutz ein schlechtes Image: Sie gelten als „Klima-Killer“. Denn beim Verdauen rülpst jede Kuh das Gas Methan aus, das dem Treibhaus Erde 25-mal stärker einheizt als Kohlendioxid. Rinderhaltung gilt daher gemeinhin als „schlecht fürs Klima“.

 

Mit den Kühen und anderen Wiederkäuern steht auch die Beweidung zur Disposition. Doch die heutigen „Kornkammern“ waren Grünland, das in Jahrtausende langer Ko-Evolution mit Weidetieren entstanden ist. Grünland ist weiterhin das größte Ökosystem weltweit. Nachhaltige Beweidung mit Kuh & Co fördert das Wurzelwachstum und dadurch die Humusbildung. Das weltweite Grünland speichert auf diese Weise im Boden rund 50 Prozent mehr Kohlenstoff als Wald.

 

So können Rinder und ihre wiederkäuenden Verwandten – entgegen der gängigen Annahme – sogar zur Begrenzung des Klimawandels beitragen. Die Kuh: ein geborener Klimaschützer! Wenn man sie nur ließe ...

 

  • Warum hält sich der Mythos vom „Klimakiller Kuh“ so hartnäckig in der (Fach-)Öffentlichkeit?
  • Warum werden stattdessen die Potenziale nachhaltiger Beweidung und Grünlandnutzung nicht erkannt – und in der Folge auch kaum genutzt?
  • Ist die „Produktivität“ der heutigen Landwirtschaft ihrerseits ein Mythos? Woran bemisst sie sich?
  • Und welchen Unterschied macht die Form der Tierhaltung für unser Klima?

Auf diese und weitere Fragen wird Dr. Anita Idel in Ihrem Vortrag eingehen.

 

Zur Referentin:

Sie ist Tierärztin, freie Wissenschaftlerin und Wirtschaftsmediatorin, war von 2005 bis 2008 Lead-Autorin des Weltagrarberichts (IAASTD) und ist Lehrbeauftragte an der FH Münster und der Leuphana in Lüneburg. Als Mediatorin und Autorin ist sie in den Spannungsfeldern Landwirtschaft und Naturschutz sowie Ökonomie und Tierschutz tätig.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München (U-Bahn Goetheplatz):

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Anmeldung erforderlich

 

 

 

115. Abend: Montag, den 11. März 2019

 

Prof. Dr. Marianne Gronemeyer

 

Die Grenze

Nachdenken über ein Paradox der Moderne

 

 

Zum Thema:

Seit Menschengedenken arbeiten wir uns an ihnen ab: Kinder loten ihre Grenzen aus, Ländergrenzen werden umkämpft und vor „Eindringlingen“ geschützt, und die Medizin zögert die letzte aller Grenzen, den Tod, immer weiter hinaus.

 

Doch je mehr wir versuchen, Grenzen zu überwinden und aufzulösen, desto stärker kehren sie zurück: angesichts „grenzenloser Flüchtlingsströme“ schotten sich immer mehr Länder ab; und unser Lebensstil zwingt uns, in „Grenzwerten“ zu denken, um die fatalen Folgen unseres vermeintlich „grenzenlosen“ Wachstums einzudämmen.

 

An den Grenzen scheiden sich die Geister. Entgrenzung und neue Grenzsetzungen überlagern sich in einem paradoxen Durcheinander. Welche Grenzen sind sinnvoll, welche nicht?

 

In Ihrem Vortrag lotet Marianne Gronemeyer aus, wie Grenzen zustande kommen, was sie bedeuten – und was sie uns darüber sagen, wer wir sind.

 

Zur Referentin:

Die Referentin war lange Zeit Professorin für Erziehungs- und Sozialwissenschaften und beschäftigt sich in ihren Publikationen mit dem Geschwindigkeitsrausch unserer Gesellschaft und der Versäumnisangst des modernen Menschen. Sie steht in der Denktradition des Kulturphilosophen Ivan Illichs und wendet sich globalisierungskritisch gegen die Welteinheitskultur des Konsumismus und plädiert für kulturelle Vielfalt.

 

Neben ihrer wissenschaftlichen und umfangreichen publizistischen Arbeit war sie mehrere Jahre im Aufsichtsrat von Greenpeace Deutschland tätig. 2011 erhielt sie den renommierten Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München (U-Bahn Goetheplatz):

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Anmeldung erforderlich

 

 

 

114. Abend: Sonntag, den 3. Februar 2019

 

Prof. Dr. Harald Lesch, Prof. Dr. Karlheinz Geißler & Jonas Geißler

 

Time is honey

Nachhaltige Zeitkultur udn die Grenzen der Natur

 

Mit einem Kommentar von Karin Lohr und einem Slam von Rieke Grund

 

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Münchner Initiative Nachhaltigkeit

 

 

Zum Thema: 

Alltag und Beruf sind für die meisten durch Zeitnot und Hektik geprägt. Alles, was dauert, dauert scheinbar zu lange. Zeit gilt per se als Zeitverschwendung, als knappes Gut, möglichst „effizient“ zu bewirtschaften. Gemäß dem Motto „Zeit ist Geld“  wird ein Kampf gegen das Langsame, Bedächtige und Pausierende geführt.

 

Hinter dem beschleunigten Leben verbergen sich der Wunsch (aber auch der Zwang), sich möglichst unabhängig zu machen von den Zeiten der Natur. Dies ist der individuelle und soziale Preis, den wir für unsere Art von gesellschaftlichem Fortschritt und wirtschaftlichem Wohlstand zahlen.

 

Aber auch die Natur und zukünftige Generationen zahlen einen hohen Preis: Die Nonstopgesellschaft forciert die ökologische Krise. Durch den hohen Energie- und Ressourceneinsatz, auf dem unser allseits beschleunigter Lebens- und Wirtschaftsstil basiert, werden die Kapazitäten und Systemgrenzen der Natur überschritten. Was die Natur in Jahrtausenden an Werten geschöpft hat, wird in kürzester Zeit „verwertet“ und regelrecht verbrannt.

 

  • Wie hängen Burnout der Natur und die zeitlich prekäre Lage vieler Menschen in unserer Gesellschaft zusammen?
  • Welche Vorstellungen von Zeit dominieren unser Denken, Fühlen und Handeln – und sind sie wirklich „zeit-gemäß“?
  • Wie ließe sich die Zeit aus ihrer Umklammerung durch das Geld befreien und ihre Vielfalt wieder für uns (er)lebbar werden („Time is honey“)?

 

Referenten/Referentin:
Prof. Dr. Harald Lesch
ist Astrophysiker an der LMU und lehrt Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München. Als Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator erreicht er seit Jahren ein Millionenpublikum.
Prof. Dr. Karlheinz Geißler gilt als  einer der führenden Zeitforscher Deutschlands. Er war u.a. Mitinitiator des Projektes „Ökologie der Zeit“ der Evangelischen Akademie Tutzing und Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik.
Jonas Geißler arbeitet als Trainer und Unternehmensberater v.a. für nachhaltige Wirtschaftsunternehmen und Organisationen.

Karin Lohr ist (Mit-)Initiatorin des Dynamo Fahrradservices und Geschäftsführerin der Straßenzeitung BISS, Bürger in sozialen Schwierigkeiten e.V.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

Alte Kongresshalle, theresienhöhe 15, 80339 München

Eintritt frei – keine Anmeldung erforderlich (first come first serve)

Einlass: 17.30 Uhr

 

 

 

113. Abend: Donnerstag, den 10. Januar 2019

 

Prof. Dr. Markus Vogt

 

Angst vor dem Wandel?

Nachhaltige Entwicklung zwischen Katastrophendiskurs und Zukunftshoffnung

 

Mit einer Veranschaulichung für das Themenfeld "Landwirtschaft & Ernährung" durch Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald

 

Zum Thema:
Viele erleben die Gegenwart als Zeit des beschleunigten Wandels, als Zeit des Übergangs. Bekannte Ordnungsmuster in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verlieren an Geltung – ohne dass eine künftige Ordnung schon erkennbar ist. An gesellschaftlichen Utopien, wohin die Reise gehen soll, mangelt es nicht. Angesichts angekündigter und bereits realer ökologischer wie sozialer Katastrophen ist „Nachhaltigkeit“ zu einer rhetorisch vielfach bemühten Chiffre geworden: für globale Gerechtigkeit und ein „gutes Leben“ für alle in den Grenzen der Natur.

 

Doch gleichzeitig wird die Kluft zwischen Sein und Sollen, zwischen Anspruch und Alltag mit jeder Klimakonferenz eher größer als kleiner. Woran liegt das? An den Machtverhältnissen? An der Macht der Gewohnheit? An den realen oder an den mentalen Infrastrukturen? Liegt es daran, dass wir – wenn wir uns wirklich ernst nähmen – all das in Frage stellen müssten, was wir mit Fortschritt in Verbindung zu bringen gelernt haben, allem voran die Idee unbegrenzten Wachstums?

 

So stellt sich – drängender denn je – die Frage, was uns individuell wie kollektiv dazu befähigen könnte, dem ökosozialen Burn-out unserer Zivilisation wirksam entgegenzutreten? Wie können wir dabei die nötige Balance zwischen Optimismus und Pessimismus, zwischen Zuversicht und Einsicht, zwischen Beharrung und Wandel, zwischen Aktivismus und Gelassenheit bewahren?

 

Zu den Referenten:

Auf diese Fragen wird Prof. Dr Markus Vogt, Lehrstuhlinhaber für Christliche Sozialethik der LMU München, in seinem Vortrag näher eingehen und Antworten aus Sicht einer „Ethik des Anthropozäns“ geben. Im Anschluss wird Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth-Stiftung, exemplarisch über nachhaltige Transformationsprozesse (und deren Blockaden) bei Landwirtschaft und Ernährung berichten.

 

Veranstaltungsort und -zeit:

münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München (U-Bahn Goetheplatz):

19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Anmeldung erforderlich