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Themen und Referent/innen 2005


6. Abend: Donnerstag, den 1. Dezember 2005, Beginn: 19.00 Uhr

 

Prof. Dr. Karl-Werner Brand, Astrid Engel, Walter Sehrer

"Von der Agrarwende zur Konsumwende?"

 

Zum Thema:

Vor vier Jahren wurde im Zuge der BSE-Krise durch Bundesministerin Renate Künast eine „Agrarwende“ in die Wege geleitet. Kernstück der neuen Politik ist die Ausweitung des Ökolandbaus. Von Anfang war klar, dass diese Wende in der Landwirtschaft nur gelingen kann, wenn sie von einer entsprechenden Wende des Konsum- und Ernährungsverhaltens begleitet und getragen wird.

 

In einem mehrjährigen wissenschaftlichen Verbundprojekt wurden die aktuellen Veränderungsprozesse innerhalb der Landwirtschaft und Verbraucherschaft untersucht. Das Forschungsvorhaben, an dem Münchner Wissenschaftler/-innen maßgeblich beteiligt sind, wird in diesen Wochen beendet. Erste Ergebnisse sollen an diesem Abend vorgestellt werden.

 

In einem ersten Teil wird über die aktuelle Situation des Ökolandbaus in zwei sehr unterschiedlichen Regionen – Bayern und Mecklenburg-Vorpommern – berichtet. Insbesondere werden die vielschichtigen Motive und Erwartungen herausgearbeitet, mit denen die Landwirte ihre Betriebe ökologisch bewirtschaften. Der zweite Vortragsteil steht unter dem Titel „Ernährungshandeln im Umbruch – Motive für Biokonsum“. Wie entwickeln sich nachhaltige Konsummuster im Bereich der Ernährung, wie kommt es zu Ernährungsumstellungen und welche Faktoren können diese Entwicklung fördern?

 

Zu den Referenten:

Prof. Dr. Karl-Werner Brand ist Leiter des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsvorhabens. Er ist Mitbegründer der Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V. (MPS), für die auch der Soziologe Walter Sehrer über Fragen des Ernährungsverhaltens an dem Pro-jekt mitgearbeitet hat. Die Agrarwissenschaftlerin Astrid Engel hat als Mitar-beiterin des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Landbaus an der TU München den landwirtschaftlichen Teil des Projektes mitbearbeitet.

 

 

5. Abend: Montag, den 7. November 2005

 

Dr. Alfred Strigl

"Die Wende der Titanic – Wiener Deklaration für eine zukunftsfähige Weltordnung"

 

Zum Thema:

„Das Raumschiff Erde ist in eine gefahrenvolle Titanic-Stuation geraten. Die Menschheit – berauscht von der Faszination der Superlative – pflügt sich durch die Wellen der Gegenwart und vernachlässigt – systemverfangen und wie ohnmächtig – die Vorsorge für die Zukunft.“ Diese Metapher findet sich im Vorwort der Wiener Deklaration für eine zukunftsfähige Weltordnung, die vor wenigen Wochen in Österreich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Wiener Deklaration ist im Diskurs eines breiten Netzwerkes von Theoretikern und Praktikern, ehrenamtlich Arbeitenden und Entscheidungsträgern aller Gesellschaftsbereiche entstanden. „Wie ist Nachhaltige Entwicklung machbar?“ – so lautete die zentrale Grundfrage in diesem Diskussionsprozess.

 

Entstanden ist ein Kompendium an Analysen und Argumenten, Visionen und konkreten Vorschlägen für einen gesellschaftlichen Wandel. Die Autoren wollen die „kollektive Trance“ durchbrechen, mit der unsere Gesellschaft der ökonomischen Wachstumsdoktrin folgt. Sie suchen Lösungen für ein zukunftsfähiges 21. Jahrhundert und zeigen gangbare Wege einer gesellschaftlichen Erneuerung auf: von Fragen des individuellen Lebensstils bis hin zur Stärkung und dem Ausbau der Vereinten Nationen. „Die Wiener Deklaration ist ein wichtiges Flaggschiff auf der Diskurs-Reise zum Kontinent der Nachhaltigkeit“, schreibt Ernst Ulrich von Weizsäcker in seinem Vorwort.

 

Zum Referenten:

Dr. Alfred Strigl ist Biochemiker und Wirtschaftswissenschaftler, Geschäftsführer am Österreichischen Institut für Nachhaltige Entwicklung sowie Gründungsmitglied des Sustainable Europe Research Institute (SERI) und Präsident der Organisation European Sustainable Development (ESD). Gemeinsam mit Dr. Herbert Rauch hat er als Autor und Redakteur die Wiener Deklaration verfasst, die dieser Tage im oekom-Verlag erschienen ist.

 

 

4. Abend: Montag, den 26. September 2005

 

Claus-Peter Hutter

"Nichtwissen in der Wissensgesellschaft

Verlust an Naturwissen als Herausforderung für die Umweltbildung"

 

Zum Thema:

Wir leben in einer „Wissensgesellschaft“. Der Umgang mit neuem Wissen wird im Alltag wie im Beruf immer wichtiger. Experten gehen davon aus, dass sich alle fünf bis sieben Jahres das weltweit verfügbare Wissen verdoppelt. Die Informationsfluten, die von den Wissenschaften, Medien und nicht zuletzt durch das Internet hervorgerufen werden, sind kaum noch zu bändigen.

 

Das Zuviel an Wissen, die Schwierigkeit, Relevantes von Irrelevantem, Wissenswertes von Überflüssigem zu unterscheiden ist die eine Schattenseite der Wissensgesellschaft. Die andere ist der Verlust an tradiertem Erfahrungswissen, der mit jener Flut an neuem Wissen einhergeht. Alltagswissen vor allem über das Geschehen in Natur und Landschaft, aber auch über die Grundlagen von Landwirtschaft und Ernährung verliert an Bedeutung und wird kaum noch von Generation zu Generation weitergegeben. Mitten in der Wissensgesellschaft wachsen neue Analphabeten heran: Menschen, die zwar lesen, schreiben und rechnen können, die jedoch Analphabeten in Sachen Natur und Ernährung sind.

 

Wer etwas nicht kennt, vermisst es auch nicht. Umwelt kann daher nur schützen, wer Natur kennt; wer nicht nur die Namen all der Tiere und Pflanzen weiß, mit und von denen wir leben, sondern darüber hinaus auch für ökologische Zusammenhänge sensibilisiert ist. Hier liegt eine der größten Herausforderungen für die Umweltbildung – und die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.

 

Zum Referenten:

Der Referent des Abends, Claus-Peter Hutter, ist Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden Württemberg und Präsident der Stiftung Europäisches Naturerbe – Euronatur. Seit Jah-ren ist er im in- und Ausland mit konkreten Projektvorhaben im Bereich der Umweltbildung und -politik tätig.

 

 

 

3. Abend: Donnerstag, den 7. Juli 2005

 

Bernhard Pötter

„Politik mit der Einkaufstüte? – Über das Versagen der Verbraucher und die Zukunft nachhaltigen Konsums"“

 

Zum Thema:

Konsum ist nicht folgenlos: Dutzende Male am Tag fällen wir Verbraucherin-nen und Verbraucher meist unbemerkt und unbewusst Entscheidungen, die in der Summe weitreichende Konsequenzen für unsere Mitwelt, Umwelt und Nachwelt haben. Doch während sich Unternehmen und Politik zunehmend der Verantwortung stellen müssen, welche ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen ihr Handeln hat, werden die Konsumentscheidungen der Verbraucher selten kritisch thematisiert. Verbraucher werden informiert und geschützt; und alle reden von Verbraucherrechten. Es ist höchste Zeit, den Verbraucher auch an seine Pflichten zu erinnern. Denn ein Großteil aller Umweltprobleme – insbesondere auf den Gebieten Energie, Mobilität und Landwirtschaft – hängt unmittelbar mit privaten Konsumentscheidungen zusammen.

 

Der Weg zu „nachhaltigen Konsummustern“ ist noch sehr weit – aber er ist gangbar! So lautet der Tenor des Vortrags von Bernhard Pötter. Der Umweltjournalist und Buchautor wird nicht nur auf die Ursachen des heutigen Verbraucherverhaltens eingehen, sondern auch strategische und durchaus unpopuläre Überlegungen anstellen, wie man uns Konsumenten dazu bringen könnte, sich verantwortungsbewusster zu verhalten.

 

Zum Referenten:

Bernhard Pötter ist langjähriger Redakteur für Wirtschaft und Umwelt bei der tageszeitung (taz). Er beschäftigt sich seit Jahren mit Verbraucherpolitik sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. 2003 wurde er ausgezeichnet mit dem „1. Förderpreis Umweltjournalismus“ der Gregor-Louisoder-Umwelt-stiftung für seine Berichterstattung zum UN-Nachhaltigkeitsgipfel in Johan-nes-burg. In diesen Wochen erscheint im oekom-verlag ein Buch von ihm zum Thema seines Vortrags („König Kunde ruiniert sein Land“).

 

 

 

2. Abend: Donnerstag, den 28. April 2005

 

Dr. Christa Müller (Stiftung Interkultur – München)

Sabine Böhlau (Münchner Gärten der Kulturen)

„Der Garten als Lernort – Neue Ansätze interkultureller Umweltbildung“

 

Zum Thema:

Menschen, die nach Deutschland einwandern, haben häufig alles zurückgelassen: nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch soziale Bindungen und Zugehörigkeiten. Damit die vielbeschworene Integration nicht nur eine Leerformel bleibt, haben Flüchtlinge der verschiedensten Länder 1996 die „Internationalen Gärten Göttingen“ initiiert. Sie wollten ihr Leben auch in der Fremde wieder selbst in die Hand nehmen. Über die Berührung von so elementaren Dingen wie Erde und Pflanzen entstanden neue soziale Verbindungen und Verwurzelungen – und ein Konzept, das den biologischen Gartenbau mit handwerklichen, ökologischen und umwelt-bildenden Aktivitäten verknüpft. Die Göttinger Initiative macht Furore: Mittlerweile haben sich mehr als 60 Projekte dem „Netzwerk interkulturelle Gärten“ angeschlossen.

 

Die beiden Referentinnen werden in Ihrem Vortrag – u.a. mit Lichtbildern und einem kurzen Filmbeitrag – am Beispiel der „Münchner Gärten der Kulturen“ diesen innovativen Ansatz, ökologische Bildungsarbeit mit sozialer Integration von Migranten/-innen zu verbinden, erläutern und zur Diskussion stellen.

 

Zu den Referentinnen:

Dr. Christa Müller ist Soziologin und Geschäftsführerin der Münchner Stiftung Interkultur. Die Stiftung hat sich die Koordination und wissenschaftliche Begleitung des „Netzwerks Internationale Gärten“ zur Aufgabe gestellt. Von Christa Müller ist im oekom-Verlag das Buch „Wurzeln schlagen in der Fremde“ veröffentlicht worden.

Sabine Böhlau ist Theologin und unterstützt den Aufbau der „Münchner Gärten der Kulturen“.

 

 

1. Abend: Mittwoch, der 16. März 2005

 

Prof. Dr. Franz Nuscheler

„Welt im Wandel: Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik“

 

Zum Thema:

Die Eingriffe des Menschen in die natürliche Umwelt gefährden bereits heute in weiten Teilen der Erde die Lebensbedingungen der Armen. Ohne Gegensteuerung werden Umweltveränderungen künftig in noch größerem Umfang Existenz bedrohende Auswirkungen haben. Absolute Armut bedeutet neben mangelndem Einkommen meist auch ein erhöhtes Hunger- und Erkrankungsrisiko sowie fehlende Bildung. Noch immer leben 1,1 Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar am Tag, ebenso viele haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser und rund 840 Millionen Menschen sind unterernährt.

 

In seinem jüngsten Jahresgutachten geht der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) dem Zusammenhang von Armutsbekämpfung und Umweltpolitik nach. Die Wissenschaftler betonen in ihrem Gutachten, dass erfolgreiche Armutsbekämpfung eine wirksame Umweltpolitik voraussetzt. Die Entwicklungschancen der armen Länder verbessern sich nur, wenn angesichts voranschreitender Umweltveränderungen sowohl Anpassungsmaßnahmen verstärkt als auch weitere Eingriffe in die natürliche Umwelt vermieden werden. Die Industrieländer müssen ihrerseits zur Überwindung dieser Krise beitragen. Umweltschutz und Armutsbekämpfung sollten aus Sicht des WBGU stärker vernetzt und national wie international als Querschnittsthema besser verankert werden. Eine solche Politik würde sich für alle Länder auszahlen.

 

Mehr denn je ist hierfür eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit von Industrie- und Entwicklungsländern notwendig, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und Armut zu bekämpfen. Dies verlangt aus Sicht des WBGU, dass die Industrieländer ihre eigenen Konsum- und Produktionsmuster nachhaltig gestalten und zukunftsfähige Modernisierungsprozesse in Entwicklungsländern unterstützen. Die bisherige Lücke zwischen den Ankündigungen der reichen Länder und ihrer tatsächlichen Politik unterhöhlt das Vertrauen der Entwicklungsländer. Gleichzeitig stehen die Regierungen der Entwicklungsländer in der Pflicht, gute Regierungsführung zu praktizieren, die Rechte der Armen zu stärken und die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit Ernst zu nehmen.

 

Zum Referenten:

Prof. Dr. Franz Nuscheler ist seit 1990 Direktor des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen und war von 2000 bis 2004 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Dort hat der ausgewiesene Fachmann für Entwicklungspolitik maßgeblich an dem Jahresgutachten des WBGU mitgewirkt.