/ Selbach-Umwelt-Stiftung  / Projekte  / Forum Nachhaltigkeit  / Vorträge 2007   

Themen und Referent/innen 2007


23. Abend: Donnerstag, den 13. Dezember 2007

 

Prof. Dr. Wolfgang Haber

 

Umweltschutz und Wirtschaftsentwicklung in China

Eindrücke zweier Studienreisen

 

Zum Thema:

Chinas rasante wirtschaftliche Entwicklung erregt weltweit Aufsehen, führt aber auch zu wachsenden Befürchtungen über ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen. In den letzten Jahren erließ die chinesische Regierung zwar strenge Umweltschutz-Vorschriften, deren Umsetzung aber nur begrenzt erfolgreich ist.

 

Bereits 1980 hatte die Chinesische Akademie der Wissenschaften den renommierten Ökologen Professor Haber als Ratgeber für den Wiederaufbau der Ökolo-gie- und Naturschutzforschung nach der Kulturrevolution eingeladen und für ihn eine ausgedehnte Besichtigungsreise durch große Teile Ostchinas organisiert. Im Sommer 2006 lud sie ihn erneut zu Vorträgen und einer 11.000 Kilometer weiten Studienreise durch Zentral- und Nordwest-China ein. Der Vergleich der Eindrücke beider Reisen zeigt den phänomenalen Entwicklungssprung des Landes innerhalb von 26 Jahren, aber auch die damit verbundenen und keineswegs leicht oder schnell lösbaren ökologischen und auch sozialen Probleme.

 

Die Studienreisen führten vom westlich-supermodernen Shanghai über die Agrargebiete der Jangtse-Niederung, den Drei-Schluchten-Damm, das erosions-zerfurchte Lössplateau des Nordens bis in die Hochgebirge und Wüsten (Tienshan, Gobi, Taklamakan) an der Seidenstraße. Fragen einer rationellen, den Wohlstand fördernden, aber auch dauerhaft aufrecht zu erhaltenden Landnutzung standen im Mittelpunkt der Gespräche, die Professor Haber in China mit Wissen-schaftlern, Studierenden, Planern, Politikern und auch Landwirten führte.

 

Zum Referenten

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Haber, von 1966 bis 1994 Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie der TU München in Freising-Weihenstephan, hat die Entwicklung der wissenschaftlichen Ökologie maßgebend mitgestaltet. Er war u.a. Präsident der Gesellschaft für Ökologie, der International Association of Ecology, Vorsitzender des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen der Bundesregierung und des Deutschen Rates für Landespflege.

 

 

22. Abend: Dienstag, den 30. Oktober 2007

 

Prof. Dr. Hartmut Graßl

 

Ohne Klimaschutz keine Nachhaltigkeit

 

Zum Thema:

Als das zentrale Menschheitsziel „Nachhaltige Entwicklung“ 1992 beim „Erdgipfel“ der Vereinten Nationen in Rio propagiert wurde, war der Politik noch nicht klar, dass die größte Behinderung für dieses Ziel die globale, von uns Menschen verursachte Klimaänderung sein würde. Diese globale Erwärmung ist nicht mehr zu verhindern, sondern nur noch in ihrem Ausmaß zu dämpfen.

 

Nicht nur für uns Menschen, auch für die Tiere und Pflanzen und die biologische Vielfalt ist die rasche Klimaänderung in diesem Jahrhundert eine zentrale Bedrohung. „Ohne Klimaschutz sind am Ende des 21. Jahrhunderts bis zu 40 Prozent aller Arten gefährdet oder ausgestorben.“ Zu dieser düsteren Prognose kommt der jüngste Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) der Vereinten Nationen.

 

Die zentrale Herausforderung lautet daher: Wie kann der weiter steigende Energiehunger der Menschheit klimaschonend gestillt werden? Der Vortrag von Prof. Graßl wird dieser Frage nachgehen und in den derzeitigen Stand der Klimaforschung einführen. Darüber hinaus werden Wege in ein postfossiles, solares Zeitalter aufgezeigt und zur Diskussion gestellt: Im Zentrum stehen dabei der schrittweise Verzicht auf fossile Brennstoffe und eine Versorgung auf der Basis erneuerbarer Energieträger, allen voran durch die direkte Nutzung der Sonnenenergie.

 

Zum Referenten

Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Graßl gilt international als einer der führenden Klimaforscher unserer Zeit. Bereits in den 1980er Jahren hat er vor der globalen Erderwärmung gewarnt. Prof. Graßl war maßgeblich an den Verhandlungen für das Kyoto-Protokoll beteiligt, leitete das Weltklimaforschungsprogramm der UN in Genf und war langjähriger Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie im Hamburg. Im Frühjahr 2007 wurde er von der Bayerischen Staatsregierung zum Vorsitzenden des neu eingerichteten Klimarates für Bayern ernannt.

Powerpoint Präsentation

 

 

21. Abend: Mittwoch, den 12. September 2007

 

Dr. Manfred Osten

 

Der See von Valencia

Alexander von Humboldt und die Anfänge der Umweltbewegung

 

Zum Thema:

In seinem Amerika-Werk legte Alexander von Humboldt 1799 mit seiner Fallstudie zum See von Valencia die ersten wissenschaftlichen Grundlagen für die systematische Untersuchung der Frage, ob und in wie weit Veränderungen des Klimas durch Eingriffe des Menschen in die Natur verursacht werden. Mit den von Alexander von Humboldt früh wahrgenommenen Folgen der Waldrodung beginnt ein ökologischer Diskurs, der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auf globaler Ebene bereits einen Höhepunkt erreicht, um dann nach der Jahrtausendwende – bis zum Einsetzen der Umweltdebatte Anfang der 1970er Jahre – wieder in Vergessenheit zu geraten.

 

In Vergessenheit geriet auch die Frage der Aktualität Alexander von Humboldts für die Gegenwart. In dem Vortrag von Dr. Manfred Osten soll gezeigt werden, dass der letzte Universalgelehrte Europas bereits der erste Gelehrte war, der Umweltfragen jenseits allzu enger Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen umfassend und umsichtig aufgedeckt und untersucht hat. Zu Recht kann Humboldt daher als einer der Gründerväter der modernen Umweltwissenschaften und der heutigen Umweltbewegung gelten.

 

Zum Referenten:

Der ehemalige Diplomat und Publizist Dr. Manfred Osten war von 1995 bis 2003 Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung. Zuvor ist er über 30 Jahre lang im Auswärtigen Dienst der Bundesregierung tätig gewesen, darunter mehrere Jahre in Japan. Dr. Manfred Osten studierte Rechtswissenschaften, Philosophie sowie Musik- und Literaturwissenschaften und ist Autor zahlreicher Bücher und Essays zu kulturwissenschaftlichen Themen.

 

 

20. Abend: Donnerstag, den 19. Juli 2007

 

Gabi Bott

 

Gemeinschaft leben

Das Ökodorf Sieben Linden – ein sozial-ökologisches Modellprojekt

 

Zum Thema:

Ein Leben in besserem Einklang mit der Natur – So könnte man die Sehnsucht umschreiben, die Menschen erfasst hat, die für sich nach einer Alternative zu dem „Immer mehr“ und „Immer schneller“ unserer Konsumgesellschaft suchen. „Nachhaltigkeit“ im Sinne eines ökologisch wie sozial verträglichen und verantwortbaren Lebensstils wird jedoch schnell zur Überforderung für den Einzelnen. Vielleicht bedarf es für gelebte Nachhaltigkeit im Alltag neuer Formen der Gemeinschaft und Vergesellschaftung? Vielleicht erfordern nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsformen weniger technische Innovationen als vielmehr neue Räume für soziale Phantasie?

 

Vor zehn Jahren hat eine kleine Gruppe von Menschen in der Nähe von Salzwedel (Sachsen-Anhalt) eine neue Siedlungsgenossenschaft gebildet. Das „Ökodorf Sieben Linden“, in dem mittlerweile 80 Erwachsene und 30 Kinder leben, versteht sich als Modell- und Forschungsprojekt für eine zukunftsorientierte Lebensweise, in der Arbeit und Freizeit, Ökonomie und Ökologie, Individuum und Gemeinschaft, weltoffene und dörfliche Kultur in kleinen Lebenskreisen zu einem Gleichgewicht finden sollen. Die Referentin des Abends, Gabi Bott, die seit Anfang 2001 im Ökodorf Sieben Linden lebt und arbeitet, wird aus ihrem eigenen Erleben und anhand von Bildern über die bisherigen Erfahrungen mit diesem sozial-ökologischen Experiment berichten.

 

Zur Referentin:

Gabi Bott hat Landschaftsökologie studiert und eine Weiterbildung in Tiefenökologie absolviert. In den USA arbeitete sie mit Joanna Macy, einer der Vordenkerinnen der Friedensbewegung und Mitbegründerin der „Tiefenökologie“, und lehrt seitdem als Trainerin für die Gesellschaft für angewandte Tiefenökologie e.V.. Bevor sie in das Ökodorf Sieben Linden zog, war sie sieben Jahre lang in Freiburg als Geschäftsführerin bei Bündnis 90/Die Grünen tätig.

 

 

19. Abend: Dienstag, den 19. Juni 2007

 

Dr. Martha Mertens

 

Koexistenz oder Kontamination?

Zur aktuellen Debatte über die Gentechnik

 

Zum Thema:

Kaum einer will sie, ihr Nutzen ist zweifelhaft, die Risiken schwer einzuschätzen – und dennoch scheint sie unaufhaltsam: die „Grüne Gentechnik“. Selten wurde eine neue Technologie so sehr gegen den Willen fast aller Betroffenen eingeführt. 70 Prozent der Verbraucher in Europa wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel auf dem Teller, und auch die konventionellen Landwirte lehnen in gleichem Umfang jegliche Gentechnik auf dem Acker und im Stall ab.

 

Einig ist man sich auf politischer Ebene darin, den generellen Wunsch nach Wahlfreiheit beim Essen zu respektieren. Eine „Zwangsernährung“ mit Gen-Food soll es – zumindest offiziell – nicht geben. So konzentriert sich die derzeitige Debatte in Berlin und Brüssel auf die Frage, ob und wie eine „Koexistenz“ zwischen einer Land- und Lebensmittelwirtschaft mit und einer ohne Gentechnik möglich ist. Und natürlich darauf, wer all die Kosten für diese technologische Zweigleisigkeit zu tragen hat. – Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag eine Liberalisierung des bislang strengen deutschen Gentechnikgesetzes beschlossen. Zurzeit werden in Berlin entsprechende Gesetzesentwürfe diskutiert, die möglicherweise noch vor der Sommerpause verabschiedet werden sollen. Anlass genug für eine kritische Analyse der derzeitigen Situation.

 

Zur Referentin:

Dr. Martha Mertens ist Biologin und seit gut zehn Jahren an der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung um die Gentechnik aktiv beteiligt. Sie ist Sprecherin der Arbeitskreise „Gentechnik“ des BUND sowie des Bund Naturschutz Bayern. In ihrem Vortrag wird sie die Ziele der Agro-Gentechnik vorstellen, über langjährige Anbauerfahrungen aus Ländern wie den USA berichten, offene Fragen des Gesundheits- und Naturschutzes ansprechen und sich kritisch mit den aktuellen Gesetzesvorschlägen auseinandersetzen. Ein hochbrisantes politisches Thema, das unser aller Ernährung betrifft!

 

 

18. Abend: Montag, den 14. Mai 2007

 

Prof. Dr. Josef H. Reichholf

Stadtnatur

Eine neue Heimat für Tiere und Pflanzen

 

Zum Thema:

Füchse im Englischen Garten in München, Wildschweine im Berliner Villenviertel, Waschbären auf Kasseler Dachböden – die Meldungen über ungewöhnliche Gäste in den Städten häufen sich. Für Tiere und Pflanzen wird der urbane Lebensraum zunehmend attraktiv. In einem Umland der Monotonie – geschaffen durch die moderne Landwirtschaft – werden Städte zu Inseln der Artenvielfalt.

 

So leben in Berlin mittlerweile mehr Nachtigallen als in ganz Bayern. In einigen Städten finden sich doppelt so viele Wildpflanzenarten wie in ihrem Umland. Und in München brüten jährlich über 100 verschiedene Vogelarten; sie machen die Hälfte des gesamten bayerischen Artenspektrums aus. Über 400 verschiedene Schmetterlingsarten sind in den letzten fünf Jahren in einem größeren Garten im Münchner Stadtteil Obermenzing festgestellt worden – rund zehnmal so viel wie im niederbayerischen Agrarland. Während die Städter raus in die „Natur" fahren, flieht die Natur in die Stadt. Hier ist sie inzwischen vielfältiger und weniger bedroht als jenseits der Stadtgrenzen. – Seit Jahren beobachtet und analysiert Prof. Dr. Reichholf diese Lebensvielfalt in unseren Städten. Die Ergebnisse widersprechen oftmals den herkömmlichen Annahmen und Leitbildern des Naturschutzes sowie einer vermeintlich ökologischen Stadtentwicklung und Raumplanung.

 

Zum Referent:

Prof. Dr. Reichholf ist Leiter der Abteilung Wirbeltiere an der Zoologischen Staatssammlung in München und lehrt seit 30 Jahren Naturschutz und Stadtökologie an beiden Münchner Universitäten. Soeben sind zum Thema seines Vortrags die Ergebnisse seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit der städtischen Natur erschienen.

 

 

 

17. Abend: Dienstag, den 17. April 2007

 

Dr. Karl von Koerber

Klimafreundliche Ernährung

Ein wichtiger Beitrag zum globalen Klimaschutz

 

Zum Thema:

Klimawandel und Klimaschutz sind zurzeit in aller Munde. Die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher spürbar, die Aussichten für Menschen, Umwelt und Wirtschaft erscheinen dramatisch. Entsprechend deutlich fallen die Forderungen der Klimaforscher an Politik und Gesellschaft aus. Im Vordergrund der Diskussion stehen bisher Bereiche wie Verkehr, energieoptimiertes Bauen, regenerative Energieerzeugung sowie die Erhöhung der Energieeffizienz.

 

Der erhebliche Einfluss, den unsere täglichen Ernährungsgewohnheiten auf das Klima haben, und die entsprechend großen Potentiale für den Klimaschutz werden hingegen kaum diskutiert. Dabei verbrauchen Landwirtschaft und Ernährung etwa ein Fünftel der Gesamtenergie in Deutschland und stehen damit nach dem Bereich des Wohnens auf Platz 2; entsprechend hoch ist der ernährungsbedingte Ausstoß an klimaschädigenden Treibhausgasen. Unser täglich Brot – und besonders unser täglich Fleisch – trägt in hohem Maße zur Klimabelastung bei. In seinem Vortrag wird Dr. Karl von Koerber diese Zusammenhänge zwischen Klima und Ernährung an konkreten Beispielen darstellen und zugleich aufzeigen, wie jede(r) Einzelne durch einen nachhaltigen Ernährungsstil wesentlich zum Klimaschutz beitragen kann.

 

Zum Referent:

Dr. von Koerber ist Ökotrophologe und Mitbegründer des Fachgebiets Ernährungsökologie an verschiedenen deutschen Hochschulen, unter anderem an der Technischen Universität München. Seit 1998 leitet er das Beratungsbüro für ErnährungsÖkologie in München.

 

 

 

16. Abend: Donnerstag, den 8. Februar 2007

 

Prof. Dr. Gerhard Scherhorn & Klaus Kreuzer

Nachhaltiger Konsum

Über die Macht des Einkaufswagens – und ihre Grenzen

 

Zum Thema:

Alles was wir kaufen hat seinen Preis. Es kostet etwas. Oftmals jedoch mehr als wir an der Ladentheke zu bezahlen haben. Denn die heutigen Märkte verschweigen einen Teil der Kosten, für die dann andere aufkommen müssen: die Umwelt, die Menschen in den Entwicklungsländern, unsere Nachkommen. Konsumentscheidungen haben oftmals weit reichende ökologische und soziale Folgen. Folgen, die uns zum Teil nicht bewusst sind, die wir zum Teil aber auch billigend in Kauf nehmen. Wer heutzutage „nachhaltig“ konsumieren will, hat es nicht immer leicht. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen belohnen nach wie vor die Abwälzung von Kosten, die wir selber tragen müssten.

 

In dem Vortragsabend wird Prof. Dr. Gerhard Scherhorn zunächst der Frage nachgehen, warum ein nachhaltiges Konsumverhalten sich bislang kaum durchgesetzt hat und unter welchen Rahmenbedingungen sich dies ändern könnte. Klaus Kreuzer wird sodann u.a. über ein Projekt der Bürgerstiftung Zukunftsfähiges München berichten, das für immer mehr Menschen gangbare Wege zu nachhaltigem Konsum und einem zukunftsfähigen Lebensstil aufzeigt: das Internetportal „Lifeguide“ (www.lifeguide-muenchen.de).

 

Zu den Referenten:

Gerhard Scherhorn arbeitet seit 1996 am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, zunächst in der Arbeitsgruppe „Neue Wohlstandsmodelle“, dann in der Forschungsgruppe „Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren“ und seit 2006 in freier Mitarbeit. Zuvor war er 20 Jahre Professor für Konsumtheorie und Verbraucherpolitik an der Universität Hohenheim. – Klaus Kreuzer ist Diplomingenieur, war lange Jahre in leitender Position bei IBM und Siemens tätig und ist seit 2000 Vorsitzender des Stiftungsrats der Bürgerstiftung Zukunftsfähiges München. Dort hat er maßgeblich am Aufbau und an der Verbreitung des Internetportals „Lifeguide“ mitgewirkt.